Genau das liebe ich am Reisen: An einem Tag sitze ich noch im Büro in München, am nächsten strampel ich mit einer Gruppe Fremder durch Taipei! Meine erste Amtshandlung, um in diese spannende neue Stadt einzutauchen, ist eine Fahrradtour mit Taipei Bike Works. Let’s roll!
Fahrradnation Taiwan
Die geführte Tour ist eine super Möglichkeit, um einen ersten Überblick und ein Gefühl für die Megacity Taipei zu bekommen. Und: Sie nimmt mir die Hemmungen vor dem Fahrradfahren in Taiwan. Ein absoluter Game Changer!
Denn ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Die Taiwaner:innen sind fahradbesessen. Mit dem Fahrrad öffnet sich mir die Tür zu einem komfortablen und sicheren Fortbewegungsmittel, das meine Reise von Anfang bis Ende enorm bereichert.
Good to know: Ein Zugang zum Youbike-Leihfahrradsystem macht euren Taiwan-Trip um 100% komfortabler. Ein engmaschiges Netz an Stationen zieht sich durch alle größeren Städte Taiwans. Ihr könnt klassische Fahrräder oder E-Bikes für kleines Geld leihen – rund um die Uhr und solange ihr wollt. Die Kosten pro Strecke liegen zwischen 10 und 30 TWD.
Wenn ihr eine taiwanische Telefonnummer habt, könnt ihr sogar eure Easy Card als Zahlungsmittel verwenden. Es gibt aber auch Alternativen mit QR Code. Eine ausführliche Anleitung gibt es auf dem genialen Blog von Nick Kembel: Taiwan Obsessed.
Sightseeing auf zwei Rädern
Doch zurück zur Bike Tour! Unser quirliger Guide kommt ursprünglich aus Honduras. Neben mir sind ein Pärchen aus Singapur, eines aus Kanada und drei Deutsche mit von der Partie. Meine Landsleute sind allesamt bei Audi in Ingolstadt angestellt und gerade als Expats in Nordchina im Einsatz. Spannend!
Die Tour startet mit einer Einführung in die lokale Nachbarschaft im Datong District, in der Nähe unseres Treffpunkts. Wir erfahren, dass jedes Stadtviertel in Taipei einen eigenen Park hat, den die Menschen gerne für gesundheitsfördernde Aktivitäten nutzen. Ich schreibe ein neues Lebensziel auf meine Liste: Eine Tai-Chi-Oma im Park werden.
Gesellschaftlicher Druck
Viele junge Taiwaner:innen verbringen die ersten Jahre ihres Berufslebens damit, eine Karriere in der Corporate-Welt in der Volksrepublik China zu starten. Bis diese sie in den Burnout treibt und sie auf der Suche nach Selbstverwirklichung nach Taipei zurückkehren und dort einen eigenen Laden eröffnen.
Nicht nur die Arbeitswelt lastet schwer auf den Schultern junger Taiwaner:innen. Auch Schüler:innen und Student:innen sind enormem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt. Abschlusszeremonien werden in Taiwan deshalb oft sogar vor den Abschlussprüfungen gehalten. So können den Eltern gesichtswahrend Zertifikat und Fotos präsentiert und vermasselte Prüfungen in aller Ruhe nachgeholt werden.
Unser Guide versorgt uns mit noch mehr Fakten: In Taipei gibt es rund 14.000 Tempel. Jede Nachbarschaft hat ihren eigenen. Die Tempel sind Dreh- und Angelpunkte des Soziallebens in den Vierteln. Und haben auch eine finanzielle Funktion: Sie geben zinslose Kredite an Gläubige aus. So altruistisch das klingt, leider bildet dieses System auch den Nährboden für Geldwäsche-Skandale.
Taiwan ist zudem besonders bekannt für seine hohe Dichte an 7-Eleven Convenience Stores. Allein in Taipei gibt es unglaubliche 8.000 Filialen! Das bedeutet, dass du alle 100 Meter über einen der kleinen Lebensretter stolperst!
Taiwanisches Frühstück
Auf der Tour lerne ich die traditionelle taiwanische Art zu Frühstücken kennen. Es ist der Beginn einer großen Liebe: In einem sehr authentischen und hochfrequentierten Frühstückslokal verkosten wir warme Sojamilch, in die wir sündige frittierte Brotstangen eintunken. Dazu gibt es fluffige bao buns (gefüllte Brötchen aus Reismehl), radish cakes (Rettichkuchen) und scallion pancakes (herzhafte Pfannkuchen mit einer Füllung aus Frühlingszwiebeln und Ei) .
Historische Stätten
Damit haben wir mehr als genug Energie getankt, um weiterzuradeln. Der nächste Stopp ist die Chiang Kai Sheck Memorial Hall– eine imposante Gedenkstätte, die dem ehemaligen Führer Taiwans und seiner Partei, der Kuomitang (KMT) gewidmet ist. Wir beobachten dort die Wachablösung und besuchen das angeschlossene Museum.
Für Backgroundinfos zu Taiwans bewegter Historie, besucht den Artikel Willkommen auf Formosa.
Als nächstes passieren wir das Presidential Office Building. Das Gebäude wurde von den japanischen Kolonialherren erbaut und dient heute als Büro des taiwanischen Staatschefs.
Nach dem Besuch des beeindruckenden Longshan-Tempels, der zu den ältesten und berühmtesten Tempeln in Taipei gehört, verkosten wir köstlichen shi tsao tea – eine Art Minztee mit Grasgelee. Ein erster Vorgeschmack darauf, wie groß Teekultur in Taiwan geschrieben wird.
Nach vier Stunden schließen wir die Runde zurück zum Ausgangspunkt und radeln auf gut ausgebauten Wegen am Tamsui Fluss entlang – mit Blick auf die Skyline von Taipei. Falls ihr nach Ideen für Tagesausflüge ab Taipei sucht: Unser Guide hat uns den Tipp gegeben, dass man dem Flussverlauf mit dem Fahrrad sogar bis zum Meer folgen kann!
Dihua Old Street und Dadaocheng
Die Tour endet in der Dihua Old Street. Das Viertel Dadaocheng ist eines der ältesten in Taipei. Man kann heute noch erkennen, dass es sich um ein ehemaliges Handelszentrum aus dem 19. Jahrhundert handelt. Viele der historischen Läden für Kräuter, Medikamente, Stoffe und Tees gibt es heute noch. Inmitten der moderneren Restaurants und Souvenirläden sind sie faszinierende Relikte vergangener Zeiten.
Good to know: Das Dadaocheng-Viertel eignet sich hervorragend zum Souvenir-Shopping. Ich habe mich am Ende meiner Reise für eine letzte Nacht im hervorragenden We Come Hostel einquartiert. Von dort aus könnt ihr zu Fuß zur Dihua Street laufen. Ich empfehle die Kräutertees von diesem Laden 姚德和 青草號. Im Yong Le Markt könnt ihr euch mit Snacks eindecken – ich hatte hier leckeres Sushi. Und bei 琢磨咖啡 coffee gibt es köstlichen cold brew coffee in einer gut klimatisierten, modernen Location.
Mir gefällt der Vibe des Viertels so gut, dass ich mich für den Rest des Nachmittags dort treiben lasse. Ich nasche ein köstliches Erdbeer Daifuku von einer Straßenverkäuferin und stehe Schlange für ein shaved ice bei RULI Tapioca balls. Zelebriere People und Haustier-Watching und lausche einer begnadeten Straßenmusikerin.
Meinen ersten Tag in Taipei schließe ich mit einem Spaziergang entlang des Tamsui Flusses ab. Inklusive Zwischenstopp am Pier 5, einer Ansammlung von Ständen, die Snacks und alkoholische Getränke verkaufen, die ihr mit Blick auf Fluss und Skyline konsumieren könnt. Mich hat die Stimmung dort nicht gefangen genommen. Vielleicht lag es aber auch an der Müdigkeit.
Nach der Tour ist eines klar: Taipei hat meinen Appetit geweckt. Im nächsten Artikel nehme ich dich mit auf eine kulinarische Schatzsuche: von Frühstückslokalen, die selbst frühmorgens brechend voll sind, bis hin zu Geheimtipps meiner taiwanischen Freunde, die garantiert in keinem Reiseführer stehen. Bring Hunger mit – es wird köstlich!
















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