Am ersten Morgen des neuen Jahres geht es für mich früh aus den Federn. Heute wartet ein ganz besonderer Start in 2026 auf mich: Nadila holt mich ab und wir gehen wandern!
Unser Ziel liegt nördlich von KL: Bukit Guling Ayam ist ein beliebtes Wandergebiet in der Nähe der berühmten Batu Höhlen. Übersetzt bedeutet der Name in etwa „Rolling Chicken Hill“. Warum wir ihn lieber in „Rolling German Hill“ umtaufen sollten, erfährst du in diesem Artikel.
Neujahr im Hindu-Stil
Auf dem Weg zu den Batu-Höhlen beschenkt uns das neue Jahr mit etwas Unerwartetem: Während wir mit Nadila’s Auto durch die morgendlichen Straßen fahren, werden wir plötzlich langsamer. Vor uns bewegt sich ein langer, farbenfroher Strom von Menschen über die Straße.
In einer atemberaubenden Prozession laufen hunderte Hindus Mantren singend und musizierend in Richtung der Höhlentempel, um das neue Jahr spirituell zu begrüßen. Die Frauen tragen leuchtend-bunte Saris, die Männer haben weiße Gewänder um die Hüfte geschlungen und bemalte, nackte Oberkörper. Statt Schuhen tragen sie Opfergaben, die teilweise spektakulär von den Frauen auf den Köpfen balanciert werden.

Wir steigen aus dem Auto und beobachten das Geschehen vom Straßenrand. Natürlich ziehe ich als Deutsche neugierige Blicke auf mich und werde von der Betrachterin zur Betrachteten. Der Zug scheint nicht enden zu wollen. Für mich fühlt sich dieser Moment wie ein Geschenk des Universums an.
Selbst Nadila, die ihr ganzes Leben in Malaysia verbracht hat, hat eine solche Prozession noch nie miterlebt. 2026 ist erst wenige Stunden alt und schon ein Highlight!
Good to know: Die Batu Caves sind eines der bedeutendsten hinduistischen Heiligtümer und eine der Top-Attraktionen Malaysias. Sie liegen etwa 13 Kilometer nördlich des Stadtzentrums in einem Kalksteinmassiv, dessen Höhlen unglaubliche 400 Millionen Jahre alt sind.
Einmal im Jahr findet hier das berühmte Thaipusam-Fest statt, bei dem tausende Pilger mit spektakulären Körperpiercings als Zeichen ihrer Hingabe vom Stadtzentrum zu den Felsentempeln ziehen.
Entdeckt wurden sie Ende des 19. Jahrhunderts von einem tamilischen Händler. Er erklärte die Höhlen zum religiösen Heiligtum, nachdem er in einer der Felsformationen die Form des Speers des Kriegsgottes Murugan erkannt haben wollte. Als überdimensionale goldene Figur, die über einen Dämonen triumphiert, bewacht Murugan heute den Treppenaufgang zu den Höhlentempeln.
Besuch der Batu Caves
Dass man sich den Besuch der Batu Caves mit dem schweißtreibenden Erklimmen von 272 steilen Stufen verdienen muss, habe ich bei einem Besuch in 2011 am eigenen Leib erfahren.
Eine Gruppe chinesischer Kolleg:innen aus meiner Firma lud mich an einem Wochenende ins Auto ein, um mir einen der berühmtesten Sightseeing-Spots von KL zu zeigen. Mit dabei: Wan, seine Frau Mei Yee und Goh, beide aus der F&E Abteilung, Chin aus dem Quality Control Team und der „schöne Joe“ aus dem Engineering mit seiner Freundin.
Wir starteten den Tag mit einem deliziösen Nasi Lemak Frühstück in einem berühmten Lokal, in dem angeblich schon einmal der Präsident von Malaysia eingekehrt ist.
Good to know: Nasi Lemak ist Malaysia’s Nationalgericht. Zu in Kokosmilch gedämpften Reis gibt es getrocknete Sardellen, Erdnüsse, Gurken, Ei, eine frittierte Hähnchenkeule und eine extrem scharfe Sambal-Paste.
Als Frühstück wurde in Bananenblatt gewickelter Nasi Lemak täglich in unserer Betriebskantine serviert. Am Anfang konnte ich es kaum essen. Die Kombination aus zungenbetäubender Schärfe und zuckersüßem Milchtee war nichts für meinen deutschen Magen.
Nach kurzer Zeit jedoch gewöhnte ich mich daran und Nasi Lemak als bedeutsames Stück Malaysias sehr zu schätzen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er eine echte Kalorien-Atombombe zum Frühstück ist!
Bestens gestärkt schleppten wir uns also bei brüllender Hitze und mit gebührender Vorsicht vor den vielen frechen Makaken die 272 Treppenstufen zu den Tempeln hinauf.
Oben angekommen, öffnet sich zur Belohnung die gewaltige Cathedral Cave. Durch Öffnungen in der Höhlendecke fällt Tageslicht ein, das ein mystisches Leuchten erzeugt. In der massiven Felswand entdecken wir immer wieder kleine Hindu-Schreine mit bunten Abbildungen indischer Gottheiten, die von künstlichem Licht zusätzlich beleuchtet werden.
Die gigantischen Höhlen, die den Fels im Laufe der Zeit untergraben haben, sind ein echtes Naturwunder. Eine führt in die nächste. Überall sind betende Gläubige, die Räucherstäbchen anzünden, oder still am Boden sitzen. Als Besucher könnt ihr das Treiben mit respektvollem Abstand beobachten.
Allein die Souvenir-Stände, an denen billige und recht unattraktive Erinnerungsstücke angeboten werden, scheinen so gar nicht in diese heilige Atmosphäre zu passen. Bilder auf Instagram zeigen mir, dass es mit Ruhe an dem Ort heute noch viel mehr vorbei ist als damals. Mit gemischten Gefülen sehe ich, dass die Treppenstufen, die zu den Höhlen führen, inzwischen in Regenbogenfarben angemalt wurden, um der Social Media Generation noch spektakuläre Fotomotive zu ermöglichen.
Hindus in Malaysia
Mit der Hindu-Gemeinde in Malaysia verbinde ich viele warme Erinnerungen. Wie in vielen Unternehmen des Landes, gab es auch bei meinem damaligen Arbeitgeber eine strikte Hierarchie.
Das obere Management bestand fast ausschließlich aus chinesischstämmigen Malayen. Im mittleren Management und in Spezialisten-Rollen arbeiteten überwiegend muslimische Malayen. Und in der Fertigung Inder sowie Gastarbeiter aus Myanmar.
In der Produktion wurden diese Hierarchie sogar durch verschiedenfarbige T-Shirts sichtbar gemacht:
- Blau für die Manager
- Rot für die Linienleiter,
- Grün für Fließbandarbeiter
- Dunkelblau für die Leiharbeiter
Henry Ford hätte seine Freude daran gehabt!
Mir war es wichtig, mit allen Menschen Kontakt zu haben. Deshalb meldete ich mich freiwillig für Einsätze an den unterschiedlichen Arbeitsstationen in unserer Fertigung: Ich tütete Radiergummis ein und bestückte Blisterkarten am Fließband.
Man kann sich nicht vorstellen, wie anstrengend das ist, bevor man es nicht selbst einmal gemacht hat. Ich habe einen großen Respekt dafür entwickelt, wie viel Aufwand in den Verpackungen steckt, die wir meist achtlos herunterreissen und wegwerfen.
Die Fertigungsmitarbeiter waren zunächst sehr schüchtern. Viele sprachen kein fließendes Englisch. Doch fand sich immer eine besonders eloquente und mutige Person, die von der Gruppe vorgeschickt wurde, um den Kontakt mit mir zu initiieren und für den Rest zu dolmetschen.
Vor allem die indischen Kolleginnen mochten mich sehr. Eine von ihnen schenkte mir einen traditionellen Armreif, der so eng ist, dass man ihn nur mit Lotion über die Hand bekommt. Oft bekam ich das Kompliment: „You have beautiful eyes!“, meist gefolgt von der Frage: „Are you married? Do you have children?“
Wenn ich erklärte, dass Frauen in Deutschland meist später, oder gar nicht heiraten und Kinder bekommen, sorgte das für großes Staunen.
Besonders gern denke ich an die Einladung meiner beiden Kollegen Subra und Segar zum Banana Leaf Lunch. Dabei werden auf einem Bananenblatt köstliche Curries, Hühnchen und Reis serviert und zu meiner großen Freude mit den Händen gegessen. Eine geniale Erfahrung!
Subra war Linienleiter für die Radiergummiproduktion und ich war ihm für einen Tag zugeteilt. Neben den Fertigungsabläufen für Radierer aus PVC und Naturkautschuk entdeckte ich kuriose Dinge, wie zum Beispiel ein „toilet book“ , in dem tatsächlich aufgeschrieben wurde, wann und wie lange (!) jeder Mitarbeiter aufs stille Örtchen geht. Außerdem hat sich mir eingebrannt, dass er eines von sage und schreibe 16 (!) Kindern ist.
Unvergesslich ist für mich auch die Einladung einer unserer Fertigungsmitarbeiterinnen namens Mangalagiri zum Deepavali, dem indischen Neujahrsfest. Hiervon berichte ich ausführlich in einem separaten Blogartikel, der gerade noch in Arbeit ist.
Da Mangalagiri und ihr Mann keine Kinder haben, wurde ich für einen Tag als Tochter adoptiert und in das bescheidene Heim der Familie eingeladen. Ich durfte mit ihnen speisen und wurde von den Frauen der Familie hingebungsvoll in einen traditionellen Sari gewickelt. Dann besuchten wir einen Hindu-Tempel und ich durfte an der Zeremonie teilnehmen. In dem kleinen Tempel war ich der Hingucker – wohlwollende Kommentare verglichen mich mit einer Barbie-Puppe.
Anschließend durfte ich die open house Tradition miterleben, bei der Hindus zum Deepavali ihre Türen für die Nachbarschaft öffnen. Man zieht von Haus zu Haus und es gibt riesige Mengen an Essen, die den Besucher:innen angeboten werden. Ich war so voll, dass ich am Heimweg im Auto kurzerhand weggenickt bin.
Bukit Guling Ayam
Zurück im KL der Gegenwart erreichen Nadila und ich den Ausgangspunkt unserer Neujahrs-Wanderung, den Rolling Chicken Hill, Bukit Guling Ayam.
Der Trailhead liegt etwas versteckt am Rand einer kleinen Straße. Wir parken das Auto, schnüren unsere Schuhe und machen uns auf den Weg. In der Annahme, dass ich bei diesem Trip nicht wandern gehen würde, habe ich meine Wanderschuhe zu Hause in Deutschland gelassen. Keine gute Entscheidung!
Der Hügel ist nicht besonders hoch und der Wanderweg eher ein gemütlicher Spaziergang als eine echte Bergtour. Doch auf dem Rückweg rutsche ich auf dem matschigen Pfad aus. Meine Schuhe geben mir keinen Halt und ich verliere kurzzeitig das Gleichgewicht, schlage mir das Knie an einem scharfen Felsen – und rolle ziemlich unbeholfen wie ein Käfer ins weiche Gebüsch am Wegesrand.
Zum Neujahrstag ist der Hügel natürlich gut besucht. Und als einzige Europäerin falle ich ohnehin schon auf. Es ist herrlich peinlich. Nadila reagiert zum Glück blitzschnell, hilft mir auf die Beine und lacht dabei so herzlich, dass mein Schamgefühl sofort verfliegt.
Ich fasse es nicht: Ich war schon auf so vielen anspruchsvollen Wanderungen, bin fit und geübt. Und dann lege ich mich bei einem so einfachen kleinen Spatziergang auf einem Hügel hin! Nun ja, aufstehen, Krone richten, weitergehen.
Der Rolling Chicken Hill hat für uns ab jetzt einen neuen Namen: Rolling German Hill.
Nasi Lemak rettet den Tag
Spätestens beim Lunch ist sowieso alles wieder okay.
Nadila befragt eine Frau auf dem Wanderparkplatz nach dem besten Nasi Lemak Spot der Umgebung. Ich liebe es, wie die Community hier funktioniert. Hier fragt man noch seine Mitmenschen um Rat, statt zu googeln.
Und die Empfehlung der Dame ist ein Volltreffer: Bei Ziemel Corner Nasi Lemak Kukus ordern wir weltklasse Nasi Lemak mit Hühnchen, Beef Rendang und Sambal Squid.
Ein Straßenmusiker spielt für die Gäste und baut für mich extra ein paar englische Songs in seine Playlist ein.
Wir unterhalten uns über das Leben in Deutschland, ich zeige Nadila Bilder von meinen Wanderungen in Bayern und bekomme im Gegenzug eine kleine Lehrstunde über die vielen verschiedenen Arten von Sambal, die in der malayischen Küche verwendet werden.
Las Vegas von Malaysia
Mit gut gefülltem Magen starten wir einen kleinen Roadtrip. Was folgt, ist die volle Malaysia Experience:
Wir kommen in einen Regenguss. Wir stecken im Stau. Und landen durch einen falschen Abzweig auf der Autobahn am Ende einer nicht enden wollenden Einbahnstraße bei den Genting Highlands. Ein Ort, der sofort Erinnerungen aus 2011 in mir wachruft.
An einem Samstag bestellte ich mir ein Taxi zu Angie’s Condo. Der freundliche Moslem-Papa brachte mich auf einer 1,5-stündigen, sehr unterhaltsamen Fahrt in die Genting Highlands.
Dabei handelt es sich um ein Bergresort, das rund 50 km nordöstlich von KL im Grenzgebiet der Bundesstaaten Selangor und Pahang liegt. Die Genting Highlands werden auch als das „Las Vegas von Malaysia“ bezeichnet, da sich dort das einzige legale Casino des Landes befindet. Daran angeschlossen sind Outdoor- und Indoor-Themenparks, Outlets, Restaurants und riesige Hotels wie das First World Hotel.
Beim Aussteigen trifft mich der Kälteschock: Die Highlands haben ihren Namen nicht von ungefähr. Sie liegen auf 1.760–1.800 m Höhe. Auf einmal hat es „nur noch“ 20 °C, es ist windig und bitterkalt. Der Freizeitpark befindet sich auf dem höchsten der dortigen Berge – und ich mich plötzlich inmitten eines Wolkenmeeres. Angie hatte versäumt, mich vorzuwarnen, sodass ich mich völlig unpassend gekleidet in Flip Flops, kurzer Hose und Trägertop dort vorfinde – während alle anderen Besucher in Kapuzenpullis eingepackt sind. Praktischerweise gibt es für fehlgeleitete Touris wie mich natürlich überall Pullis zum Freundschaftspreis zu erwerben.
Ich verbringe einen wundervollen Tag damit, Warteschlangen für die Fahrgeschäfte im Park zu überspringen, weil immer noch genau eine Person gesucht wird, um die Plätze voll zu machen. Werde kurzzeitig von einem indischen Ehepaar adoptiert, das dieselbe Route durch den Park nimmt. Folge Schildern zu einem „Skywalk“ und lande in einer Seilbahn, die mich in 20 Minuten ins Tal bringt. Ich schwebe über dem Regenwald und lausche den Schreien der Affen und Vögel unter mir, während sich der Blick auf das Hochland, die Berge und den Nebel öffnet, der zwischen den Gipfeln hängt.
Unten angekommen, komme ich mit einem Grafikdesign-Studenten aus Dubai ins Gespräch. Sein Vater ist bekennender Christ, seine Mutter Muslimin, er selbst hat nach eigener Aussage von keiner der beiden Religionen eine Ahnung.
Wovon er aber große Ahnung hat, ist Verhandeln: Er macht uns einen Spitzendeal für eine Taxifahrt zum Chin Swee Caves Temple klar. Ich necke ihn und bezeichne ihn als den „reichen Kerl aus Dubai“ – um diesem Klischée gerecht zu werden übernimmt er am Ende sogar die gesamten Fahrtkosten. Ich würde sagen, mein Verhandlungsgeschick kann sich auch sehen lassen!
Bis heute ist der Tempel einer der schönsten, die ich auf all meinen Reisen gesehen habe. Eingebettet in die Natur, schmiegt er sich auf 1.400 Höhenmetern an den Berg und gibt den Blick auf die atemberaubenden Highlands frei.
Gewidmet ist der Tempel dem Mönch Chin Swee, der in China als Regenbringer und Dämonenbezwinger verehrt wird. Neben einer neunstöckigen Pagode und einer enormen Buddha-Statue, gibt es auch einen „Zehn-Höllen“-Pfad mit gruseligen Figuren, die nach chinesisch-buddhistischer Vorstellung die Bestrafung von Sünden im Jenseits zeigen – sehr grafisch, düster und nichts für schwache Nerven.
Ich erfahre dort durch meinen kulturbewandten Freund zum ersten Mal, dass das Hakenkreuz, das mir nur aus dem Nationalsozialismus bekannt ist, im Buddhismus eine ganz andere Bedeutung hat: Als Symbol steht es für die Entstehung der Welt durch die Verbindung von Licht und Dunkel.
Dobby der Hauself
Zurück im Hier und Jetzt bringt Nadila mich an einen Ort, an dem malaysische Familien gerne ihre Freizeit verbringen. Ein echter Geheimtipp und der Weg dorthin ist gar nicht so leicht zu finden. Wir stoppen und fragen in einem Waschsalon mit dem lustigen Namen Mr Dobi Laundry um Rat. Und siehe da, Mr Dobi’s Wegbeschreibung bringt uns ans Ziel: Die Campsite Janda Baik, die sich rund um einen Fluss mit entzückenden Badegumpen aufgebaut hat.
Außer der Parkgebühr ist der Besuch kostenfrei. Es gibt überdachte Sitzgelegenheiten, die vor plötzlichem Regen schützen und es wird gegrillt und gefuttert, was das Zeug hält. Es gibt dort auch Übernachtungsmöglichkeiten, die wir uns geistig fürs nächste Mal vormerken.
Wir gönnen uns einen special coffee von einem kleinen Stand, der von einem jungen Mann geschmissen wird, machen unzählige Bilder in und um die Badegumpen herum und sitzen stundenlang auf den Felsen, um uns zu trocknen.
Während wir Kinder bei ihren Wasserabenteuern beobachten, reden wir über Gott und die Welt: Über Reisen. Über Familie. Über unsere Träume und Ziele. Eine faszinierende Ruhe breitet sich in mir aus. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so entspannt, ohne Zeitdruck und im Moment war. Nadila zeigt mir wunderbare Dinge. Doch ich habe das Gefühl, ich könnte mit ihr auch am unbedeutendsten Ort der Welt sitzen und ihre Gesellschaft würde ihn zu etwas Besonderem machen.
Pasar Malam
Auf dem Rückweg nach KL erspähen wir am Straßenrand einen Nachtmarkt. Nadila schaut mich an: „You want to go visit?“ Ich strahle sie mit großen Agen an. In einer Kamikaze-Aktion zieht sie links rüber, von der Autobahn runter und in das Wohnviertel, in dem sich der Pasar Malam Taman Selaseh befindet.
Dieser Nachtmarkt ist alles, was ich an Malaysia liebe. Er steht in keinem Reiseführer. Hier gehen die locals einkaufen. Und mit Nadila an meiner Seite tauche ich gleich drei Schichten tiefer ein.
Sie zeigt mir Murtabak, einen herzhaft gefüllten Pfannkuchen, der besonders während des Ramadan beliebt ist. Dann Apam Balik, einen süßen Pfannkuchen mit Erdnuss-Füllung.
Ich kaufe von allem etwas, um mich durchzuprobieren. In meinem Warenkorb landen gedämpfter Kokoskuchen, Taufufa, frische Papaya und Schlangenfrucht. Wie gut, dass mein Apartment einen Kühlschrank hat!
Vignette: Reis oder Nudeln? Diese Frage stellte mir Angie jeden Abend auf dem Heimweg von der Firma. In drei Monaten habe ich nur ein einziges Mal von meinem Gastpapa Ray liebevoll in unserer Küche zubereitete Instantnudeln mit Ei gegessen. Alle anderen Mahlzeiten nahmen wir außerhalb ein. Das ist in Malaysia nicht so ein Luxus wie in Deutschland, sondern nach Aussagen meiner Freunde sogar günstiger als selbst zu kochen. Und definitiv bequemer. Paradiesische Zustände für Menschen, die in Europa aufgewachsen sind!
Es ist eine Wonne zu sehen, wie Nadila mit den attraktiven jungen Menschen an den Verkaufsständen verhandelt. Die Verkäufer legen sich für meine gezückte Handykamera extra ins Zeug und bereiten frische Gerichte zu, obwohl gar keine Kunden da sind.
Zur Feier des Tages finden wir sogar noch eine frische Kokosnuss für mich, nach der es mich schon den ganzen Tag dürstet!
Der Verkäufer schlägt sie mit ein paar schnellen Hieben auf und reicht sie mir mit einem breiten Grinsen. Ich nehme einen tiefen Schluck aus dem Strohhalm und denke:
Malaysia boleh. All can. Was für ein Start in das Jahr 2026!























































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