Cameron Highlands: Malaysia’s kühles Hochland

Drei Monate in Malaysia leben und die Cameron Highlands nicht besuchen? Ich frage mich, wie das passieren konnte. Eines der beliebtesten Ausflugsziele von KL ist bislang ein weißer Fleck auf meiner persönlichen-Malaysia Karte. Eine Lücke, die ich dringend schließen muss.

Die Cameron Highlands liegen rund 200 km nördlich von KL im Bundesstaat Pahang. Auf 1.200–1.800 Höhenmetern ist es hier mit 15–25 Grad deutlich kühler als im Rest des Landes – etwas, das heute vor allem einheimische Touristen sehr auskosten.

Benannt ist die Region nach William Cameron, der die Highlands als landwirtschaftliches Zentrum auf die Karte brachte und zu einer hill station für Europäer entwickelte, die Malaysia’s tropischem Klima entfliehen wollten.​

Heute stehen die Cameron Highlands vor allem für üppige Tee- und Erdbeerplantagen und die zahlreiche Wanderwege rund um die Hauptorte Tanah Rata und Brinchang. Es geht hier sehr touristisch zu. Aber mit meinen malaysischen Freunden habe ich das Privileg die Region unabhängig von der Taximafia und ganz wie eine Einheimische zu erkunden.

Frühstück auf der Teefarm

Unser Tag in den Cameron Highlands beginnt so, wie er hier einfach beginnen muss: mit Frühstück auf einer Teefarm.

Dafür wählen wir uns einen echten Klassiker: Die BOH Teefarm in den Cameron Highlands ist die älteste und größte Teeplantage Malaysias und produziert einen Großteil des im Land getrunkenen Schwarztees. Dieser ist in Malaysia sehr viel milder als der English Breakfast Tee, den wir in Europa kennen. Ich bin normalerweise kein Fan davon, doch den in Malaysia trinke ich sehr gerne.

Der britischen Unternehmer John Archibald Russell gründete BOH 1929 zusammen mit einem erfahrenen Teeplantagenbesitzer aus Sri Lanka. Die beiden fanden im kühlen, nebligen Klima und den steilen Hängen der Highlands ideale Bedingungen für den Teeanbau.​ Der Name der Plantage ist auf eine Region in der chinesischen Fujian-Provinz zurückzuführen, die für ihren Premium-Tee bekannt ist. Nadila kenn eine zweite Version der Geschichte und verrät mir augenzwinkernd, dass der Name BOH eine Abwandlung des Wortes „boss“ im Terrenganu-Dialekt ist.

Wir sind früh dran, doch der Andrang im Sungei Palas Tea Centre ist bereits riesig. Nadila und Kayrel reihen sich in die lange Warteschlange für Bestellungen ein, während die Kids und ich einen Fensterplatz sichern. Das Lokal ist groß und die verglaste Fassade des spektakulär über die Hügelkante schwebenden Balkons gibt den beeindruckenden Blick auf die weiten Teefelder frei. Wie endlose, sattgrüne Wogen rollen die Teebüsche über die Hügel der Umgebung. Zwar verhängt der Nebel den Blick in die Ferne. Doch das macht es fast noch atmosphärischer.

So lässt sich die Wartezeit bestens überbrücken und im Handumdrehen landen Pandan Kaya Toast, cremige Curry Mee und ein herrlicher Erdbeer-Himber-Käsekuchen auf unserem Tisch. Dazu natürlich: Boh Tee-Spezialitäten!

Good to know: Kaya ist eine Kokoskonfitüre, die in Malaysia, Singapur und Indonesien als Brotaufstrich beliebt ist. Sie wird aus Kokosmilch, Eiern, Zucker und Pandanblättern gemacht, die bei niedriger Hitze eingekocht werden. Ein typisches Kaya Toast-Frühstück enthält Kaya und Butter auf geröstetem Brot, weich oder halb-gekochte Eier und Kaffee oder Tee.

Danach schließen wir uns einer sehr interessanten, kostenlosen Werksführung an, lernen über die Geschichte der Farm und die Teeproduktion – vom gepflückten Teeblatt bis zum exportfertigen Teesack. Die Tour ist kurzweilig und vermittelt einen guten Eindruck darüber, wie viel Arbeit hinter jeder Tasse Tee steckt, die im Café nebenan ausgeschenkt wird.

Der Ausgang führt durch den Shop – natürlich kann ich es mir nicht nehmen lassen, Schwarztee-Souvenirs für mich und meine Lieben in Deutschland mitzunehmen. Der simple, lose Tee sagt mir mehr zu als die teils ausgefallenen, zuckrigen Instant-Mischungen – und ist zudem noch am erschwinglichsten.

Taekwondo im Teefeld

Auf dem Weg zurück nach Brinchang legen wir einen Stopp an einem besonders pittoresken Teefeld ein und verbringen dort bestimmt eine Stunde mit einer ausführlichen Fotosession.

Dabei rekrutiere ich eine gesamte malaysische Familie für das traditionelle Taekwondo. Besonders Sufi beeindruckt mit extrem sportlichen Kicks im Teefeld – ein echtes Naturtalent.

In Brinchang zahlen wir Eintritt für die Raju’s Hill Strawberry Farm und machen uns mit Körben bewaffnet auf Erdbeer-Jagd, Ein sehr schöns Erlebnis! Es hat etwas Meditatives in den weitläufigen Gewächshäusern nach den kleinen roten Früchten Aussschau zu halten, sie mit der Schere abzutrennen und sorgsam in die Plastikkörbchen zu legen. Dabei immer auf der Hut, nicht über die markierte Füllmenge zu kommen, ab der ein Aufpreis gezahlt werden muss!

Beim Check-out können die süßen Beeren gewaschen und direkt verzehrt werden. Kayrel macht das Erlebnis für die Kinder um 100% besser, indem er einen Schoko-Dip dazu kauft. Eine Erfahrung, die Körper und Seele nährt.

Beim Schlendern durch den Pasar Pagi Kea Farm Market unweit der Erdbeerfarm sehen wir neben noch mehr Beeren (die von unterschiedlichen Verkäufern zu sehr unterschiedlichen Preisen angeboten werden), weitere landwirtschaftliche Produkte aus der Region, wie zum Beispiel Mais und verschiedene Kartoffelsorten.

Von einem Besuch des Sheep Sanctuary unweit des Marktes möchte ich gerne abraten. Wir haben uns einen Eindruck verschafft, damit ihr es nicht müsst. Nadila hat es bestens auf den Punkt gebracht: „The only thing happy there is the grass.“

Laksa mit Scones

Für unser spätes Mittagessen fahren wir nach Tanah Rata und genießen im KHM Strawberries & Jam eine weitere Schale Curry Mee, für die ich sterben könnte und geniale Scones mit lokal produzierter Erdbeermarmelade. Das britische Kolonialerbe findet teils kuriosen Einzug in die Esskultur des Landes!

Der Tag schreitet voran und es ist Zeit, den langen Rückweg nach KL anzutreten – in Etappen! Wir stoppen bei einer weiteren großen Teefarm, der Bharat Tea Plantation, und ich decke mich mit deren Cameron Tea ein. Schließlich brauche ich ja einen Vergleich zu BOH!

Chasing waterfalls

Die Fahrt über kurvige Straßen verläuft weitgehend ruhig – mit Ausnahme einer Attacke durch ein Rudel Straßenhunde, die auf unser fahrendes Auto losgehen. So ein Verhalten habe ich auch noch nicht bei Hunden gesehen und ich bin sehr froh im Auto und nicht auf dem Roller zu sein. Die Tiere müssen veriwrrt sein. Khaira kommentiert zutreffend: „Only in Malaysia“.

Wir legen einen letzten Stopp des Tages an einem gut zugänglichen Wasserfall entlang der Bergstraße ein, die uns aus den Highlands herausführt: Der gut 25 Meter hohe Lata Iskandar fällt über Granitfelsen in ein natürliches Becken und liegt inmitten von dichtem Regenwald.

Am Straßenrand gibt es Parkmöglichkeiten sowie zahlreiche Stände mit Früchten, Snacks, Kräutern, traditionellen Medizinprodukten und Handwerksartikeln. Auch hier tummeln sich einige Straßenhunde, die sich jedoch ruhig verhalten, als wir zum Wasserfall marschieren und dort Fotos vor prächtiger Kulisse machen.

Wir klettern so weit nach vorne, dass ich die Gischt und den Wind des fallenden Wassers auf meinem Gesicht spüren kann: Ein ultimatives Gefühl von Kraft, die in unserer Natur liegt.

Ich bewundere immer wieder, was für einen tollen Mann Nadila gefunden hat: Nicht nur fährt er uns tagelang durch die Gegend. Er legt sich auch bei Fotoshootings mit einer Engelsgeduld ins Zeug, um die besten Erinnerungsschnappschüsse für uns festzuhalten und ist ein hingebungsvoller Vater, der sich rührend um die beiden Kinder kümmert.

Es könnte ewig so weitergehen, doch es ist an der Zeit für uns aufzubrechen. Es braucht mehrere Anläufe, um die Kids wieder aus den Badegumpen heraus zu bekommen. Die malaysischen Frauen in ihren farbenprächtigen Baju Kurungs verschließen ihre Verkaufsstände und die Nacht zieht herein.

In 2011 habe ich einmal einen Arbeitstag lang den einen Baju Kurung getragen. Nachdem Nadila meine Maße genommen und mich nach meiner Lieblingsfarbe gefragt hatte, hat ihre Tante mir das traditionelle Gewand aus türkisem und lilanem Satinstoff genäht. Nadila wollte es mir zuerst gar nicht übergeben – aus Schüchternheit und weil sie Angst hatte, es würde mir nicht gefallen. Natürlich war ich hellauf begeistert!

Umso größer ihr Stolz, als ich für den Rest des Tages im Baju Kurung durch die Firma lief und zum Thema des Tages wurde. Jeder war begeistert und hat mich angesprochen, wie hübsch ich sei und wie gut es mir stehe, egal ob Chinesen, Inder oder Malayen. Es war auch die Initialzündung für viele andere, mit Geschenke zu machen: Ich habe an diesem Tag noch ein Armband, Parfüm und ein halbes Kilo Bananen geschenkt bekommen.

Häuserschluchten im Vollmond

Es ist kurz vor Mitternacht als uns die Häuserschluchten von KL wieder in Empfang nehmen, zwischen denen hell ein voller Mond hindurch scheint.

Ich bin seelig. Morgen ist bereits mein letzter Tag in KL und ich bin überrascht, welchen Charakter diese Reise angenommen hat. Ich hatte mir stille Stunden zum Jahreswechsel ausgemalt, in denen ich das vergangene Jahr reflektieren und das Bevorstehende planen würde. Stattdessen hat mich KL vom Moment meiner Landung an mit seiner Energie gepackt und davon gerissen.

Malaysia ist für mich das pure Leben, damals wie heute. Und meine Freunde ermöglichen mir, in diesen Strom des Lebens einzutauchen und jede Sekunde davon mit allen Sinnen zu genießen.

Verfasst von:

Hallo! Mein Name ist Daniela. Ich arbeite im Marketing und lebe in München. Wenn ich nicht gerade arbeite oder reise, übe ich traditionelle Kampfkunst, Yoga oder mache Wanderungen in den bayerischen Voralpen. Schön, dass du hier bist und Teil meines Weges sein möchtest.

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