Naturwunder Daisetsuzan

Hypnotisierende Teiche, imposante Wasserfälle und nebelverhangene, von Bären bevölkerte Vulkane. Im Daisetsuzan-Nationalpark auf Hokkaidō erwarten euch einzigartige Naturspektakel. Mit seinen über 2.267,64 km² ist er der größte Nationalpark Japans. Von Furano aus seid ihr in circa 1,5 Autostunden vor Ort und könnt mit der Erkundung starten.

Türkisblaue Illusion: Shirogane Blue Pond

Unweit der Stadt Biei befindet sich ein menschengemachtes Naturspektakel: Der Shirogane Blue Pond ist unabhängig von der Jahreszeit einen Abstecher wert. Die Bilder zeigen unmissverständlich, woher der Ort seinen Namen hat. Das türkisblaue Wasser des Teiches ist betörend schön. Man kann sich daran kaum satt sehen. Die vielen kahlen Lärchen und Silberbirken, die aus dem milchig blauen Wasser hervorragen wie stumme Wächter, verleihen der Szenerie eine mystische Atmosphäre.

Leider muss ich euch jedoch eine Illusion nehmen: Der Teich ist nicht natürlich entstanden, sondern wurde von Menschenhand angelegt. Er ist das Nebenprodukt eines Damm-Projektes am Biei Fluss.

Shirogane Blue Pond

Dennoch fragt ihr euch sicher: Woher hat der Blue Pond nun seine außergewöhnliche Färbung? Der Teich speist sich aus dem nahegelegenen Shiraige Wasserfall. Dort mischt sich das Wasser mit aus dem Felsen gelöstem Aluminium, das sich später im Teich wieder absetzt. Zusammen mit dem Sonnenlicht, das auf den weißen Felsen am Grund des Teiches reflektiert, ergibt sich die hypnotisierende blaue Färbung.

Wenn ihr den Blue Pond besucht, macht euch auf Menschenmassen gefasst. Leider ist der Ort zum Instagram-Hotspot verkommen. Für mich haben die vielen Selfie-wütigen Touristen die Atmosphäre leider ziemlich eingetrübt. Der Ort wird für japanische Verhältnisse auch sehr stark vermarktet. Es gibt ein Kiosk, in dem ihr vor oder nach eurem Besuch türkisblaues Softeis, Softgetränke oder Mochis kaufen könnt.

Abseits des Trubels: Der Shiraige Wasserfall

Ein Besuch des Shiraige Wasserfalls, der den Blue Pond speist, ist so viel entspannter. Obwohl nur einen Katzensprung entfernt, verirren sich nicht annähernd so viele Besucher dorthin.

Ausblick zum Asahi-dake

Völlig zu unrecht! Von einer Brücke aus bietet sich ein spektakulärer Blick in eine tiefe Schlucht mit einem Fluss, in den zahlreiche Äste des imposanten Shiraige-Falls münden. In der Ferne zeichnen sich die Ausläufer des Daisetsuzan-Nationalparks ab.

Aus der Bergkette heraus ragt das Massiv des Asahi-dake. Der Vulkan ist mit 2.291 Metern Hokkaidōs höchster Berg. Schwer beeindruckt von diesem Anblick fassen wir kurzerhand den Entschluss, dem Asahi-dake am nächsten Tag einen Besuch abzustatten.

Tipp: Wenn ihr zwischen Biei und Furano eine schnelle (vegetarische) Mahlzeit sucht, empfehle ich das nepalesische Restaurant Pokhara Dining. Ich hatte dort ein solides Soup Curry. Das Restaurant ist Teil eines Supermarkts, in dem ihr euch hervorragend mit Lebensmittelvorräten zu lokalen Preisen eindecken könnt.

Wundert euch bitte nicht über die flüssige Konsistenz des Suppen-Currys, das gehört so. Es handelt sich um eine Spezialität aus Sapporo, die nicht dem dicken und sämigen Bild eines Currys entspricht, das die meisten von uns kennen.

Action auf dem Asahi-dake

Am nächsten Tag ist es so weit: Wir erklimmen Hokkaidōs höchsten Berg! Eine Seilbahn führt vom Besucherparkplatz am Fuß des Asahi-dake zur Zwischenstation, die Ausgangspunkt für verschiedene Wanderungen ist.

Tipp: Hinweisschilder und Servicepersonal verkünden euch bereits in der Talstation an allen Ecken und Enden, dass auf dem Asahi-dake eine Population von Bären haust. Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um euch eine Bärenglocke für den Rucksack zuzulegen. Ihr werdet kaum einen Japaner ohne dieses Gadget beim Wandern antreffen.

Nebel-Panorama

Wir starten mit der einfachen 1,5 stündigen Panorama-Rundtour. Nur, dass es kein Panorama gibt. Leider sind wir an diesem Tag von einer dichten Nebelsuppe umgeben und es gibt keinerlei Aussicht. Wir können uns nur ausmalen, wie atemberaubend diese an einem klaren Tag wohl sein mag. Vorerst, sind wir damit zufrieden, die eigene Hand vor Augen noch sehen zu können.

Quelle: https://asahidake.hokkaido.jp/en/

Ambitioniert entscheiden wir, es trotzdem mit dem Aufstieg zum Gipfel zu probieren. Von der Zwischenstation aus ist es lediglich eine 2,5-stündige Wanderung. Es ist zwar steil, aber gut machbar. Anfänger müssen die Zähne zusammen beißen. Mit etwas Erfahrung wird euch zwar der Puls gehen, aber es ist wirklich gut machbar.

Eine unvollendete Gipfeltour

Allerdings nur, wenn euch das Wetter nicht in die Quere kommt. Wir sind nur wenige hundert Meter vor dem Gipfel, als uns Windböen und seitlicher Regen eiskalt erwischen. Wir erklimmen gerade einen Bergrücken und der plötzliche Wetterumschwung flößt uns Respekt ein. Wir werfen unseren Ehrgeiz über Bord, sind vernünftig und kehren um.

Die Seilbahn ist aufgrund des Wetters vorübergehend außer Betrieb. Wir wärmen uns in der Station mit heißen Getränken und unseren mitgebrachten Lunch-Boxen wieder auf. Unten im Tal empfängt uns der Roomy mit seiner luxuriösen Sitzheizung und taut uns wieder auf.

Tipp: In so gut wie jedem japanischen Supermarkt könnt ihr euch zum kleinen Preis mit qualitativen Bento Boxen eindecken. Egal ob Porridge oder Sushi-Snacks. Sobald ihr außerhalb von Stadtzentren unterwegs seid, empfiehlt es sich eigentlich immer, sein eigenes Essen dabei zu haben. Und dafür sind diese Boxen unschlagbar.

Schafe zählen in Hakodate

Die Tage in und um Furano sind unsere letzten auf Hokkaidō. Bevor wir mit der Fähre 3 Stunden lang nach Aomori auf Honshū übersetzen, verbringen wir eine weitere Nacht in Hakodate. Wir kommen im herzallerliebsten Kokotel, einem Hotel mit Schafsthema (!) unter. Und genießen authentisches Thai food im Soi 33.

Chaos-Fahrt zur Fähre

Am nächsten Morgen erreichen wir nach knapper Chaosfahrt das Fährterminal. Zeitmanagement ist an diesem Morgen nicht unsere Stärke. Hinzu kommt, dass der QR-Code für unsere Fährtickets nicht lesbar ist, sodass wir ins Terminal hetzen müssen, um diese am Schalter zu validieren.

Die anderen Fahrzeuge boarden die Fähre bereits, als wir auf den Parkplatz rasen. Am Ende wird alles gut und als zwei überforderte ausländische Mädels sorgen wir für jede Menge Erheiterung beim Fährpersonal. Die volle Aufmerksamkeit der rund 20 engagierten Einweiser ist uns sicher,

Bye-Bye Hokkaidō. Hello again Honshū!

Nach diesem Stress machen wir es uns zusammen mit zwei älteren Japanerinnen auf der pinken „female-only“ Sitzfläche der Fähre bequem. Wir sind das Kauern auf dem Boden offensichtlich nicht gewöhnt und lassen die grazile, aufrechte Haltung unserer Mitsitzenden deutlich vermissen.

An Schlafen ist so nicht zu denken. Wohl aber an Lesen und Musik hören. Den Rest der Zeit schlagen wir mit perfekt funktionierendem WiFi, Spaziergängen an Deck und Ausflügen zu den vielen verführerischen Snack- und Getränkeautomaten tot.

Verfasst von:

Hallo! Mein Name ist Daniela. Ich arbeite im Marketing und lebe in München. Wenn ich nicht gerade arbeite oder reise, übe ich traditionelle Kampfkunst, Yoga oder mache Wanderungen in den bayerischen Voralpen. Schön, dass du hier bist und Teil meines Weges sein möchtest.

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