Furano: Kornkammer Hokkaidōs

Malerische Blumenfelder. Traditionelle Landwirtschaft. Kulinarische Köstlichkeiten. Das sind die Schlagworte, denen ihr zuerst begegnen werdet, wenn ihr über Furano recherchiert.

Ich muss gestehen: Meine Begeisterung für Furano hielt sich anfangs in Grenzen. Der Ort schien für mich aufgrund seiner bildgewaltigen Blumenmotive in erster Linie ein Influencer-Mekka zu sein. Ich fragte mich: Wo sind die berühmten Sehenswürdigkeiten? Was gibt es hier überhaupt zu tun?

Wieder einmal sollte ich feststellen, dass Unvoreingenommenheit beim Reisen der Schlüssel zu unvergesslichen Erfahrungen ist. Furano ist der beste Beweis dafür.

Feierliche Stimmung: Makomanai Takino Friedhof

Als wir Sapporo mit dem Ziel Furano verlassen, stoppen wir am leicht außerhalb der Millionenstadt gelegenen Makomanai Takino Friedhof. Es ist menschenleer, als wir ankommen und wir fühlen uns wie pietätlose Touristen, die Sightseeing auf einem Friedhof betreiben. Die großen, bezahlpflichtigen Parkplätze hätten uns jedoch Aufschluss geben müssen: Wenig später rollen weitere Besucher an. Der Besuch der Anlage an sich ist erfreulicherweise kostenlos.

Früh am Morgen ist es still und wir können die feierliche Atmosphäre des Ortes fast ganz für uns genießen. Der Friedhof hat uns mit seinen gigantischen steinernen Statuen angezogen, die wir an einem der Vortage beim Vorbeifahren entdeckt hatten.

Neben Replikas von Stonehenge und 40 eindrucksvollen Moai-Figuren gibt es dort eine 13,5 Meter hohe Buddha Statue. Im Sommer wird diese wohl mit Lavender geschmückt. Entsprechend bietet das Café nebenan auch allerlei Getränke und Speisen mit dieser Zutat an.

Um die Buddha Statue zu erreichen, laufen wir um einen künstlichen Teich herum, durch einen Tunnel und in einen Hügel hinein, der sich zum Himmel öffnet. Direkt unter der Öffnung thront der gigantische Buddha.

Ein magischer Ort mit festlicher Stimmung. Wir verweilen dort länger. Jede von uns verleiht ihren Wünschen und Gebeten auf persönliche Weise Ausdruck. Pünktlich zu unserem Aufbruch, fängt es an zu regnen. In schneller werdenden Intervallen wird die Oberfläche des Teiches von feinen Nadelstichen gespickt. Das Wetter passt sich heute dankbarerweise unserem Sightseeing-Rhythmus an.

Furano: Der Nabel Hokkaidōs

Es tut gut, die Stadt zu verlassen und wieder aufs Land hinaus zu fahren. Wir sichten einen Fuchs und zwei Waschbären am Straßenrand. Die Tiere sind kurz davor, die Fahrbahn zu queren, überlegen es sich zum Glück aber noch einmal anders.

Furanos Blumenfelder

Ich würde Furano als die Kornkammer Hokkaidos bezeichnen. Die Region liegt zwischen den Großstädten Sapporo und Asahikawa und wird deshalb auch liebevoll „Nabelstadt“ genannt.

Furano ist vor allem für landwirtschaftliche Erzeugnisse bekannt. Zu den prominenteren Produkten gehören Kartoffeln, Zwiebeln und Melonen. Letztere können ein kleines Vermögen kosten und werden Touristen vielerorts als Sightseeing-Snack angeboten. Auch die traditionell nicht aus Japan stammenden Produkte Wein und Käse scheinen sich hier größerer Beliebtheit zu erfreuen.

Gemüse-Himmel im Furanoya

In Furano habe ich das erste Mal in meinem Leben realisiert, wie sagenhaft gut frisches, nachhaltig angebautes Gemüse schmecken kann. Typische Varianten, die ein Gemüse-Curry bilden, sind zum Beispiel: Lotus, Mais, Brokkoli, Paprika, Kürbis, Karotten, Auberginen oder Okraschoten.

Wenn ihr Furano besucht, verpflichte ich euch hiermit hochoffiziell , das Restaurant Furanoya zu besuchen und dort ein Gemüse-Curry zu bestellen.

Gemüse-Curry im Furanoya

Stellt euch auf eine Warteschlange ein und genießt die Offenbarung. Das Ambiente an sich ist schon ein Highlight. Die Bedienung ist warmherzig. Das Interieur heimelig. Und der Genuss eines dieser Curries gleicht einer Wiedergeburt.

Hokkaido-Kürbisse: The real deal

Fun fact: Vielleicht ist es nur meine selektive Wahrnehmung, aber ich war sehr erstaunt und amüsiert von der Tatsache, dass die inzwischen auch bei uns so beliebten Hokkaido-Kürbisse vor Ort eigentlich eine dunkelgrüne und keine orange Schale haben.

Gemütliche Basis: Das Hostel Tomar

Wir buchen uns für mehrere Nächte im Hostel Tomar in Furano ein. Ich würde es weiter empfehlen, auch wenn der erste Eindruck, den die moderne Lobby mit ihrem schicken Café erzeugt, nicht ganz mit der Zimmer-Realität übereinstimmt.

Hinter den Kulissen wird es bescheidener, aber es gibt dort alles, was das Backpacker-Herz begehrt: Waschmaschinen, Gemeinschaftsküche, saubere Gemeinschaftsduschen und Toiletten. Das Personal spricht sehr gutes Englisch, was in Japan auch in Hotels keine Selbstverständlichkeit ist.

Breakfast of champions

Es gibt ein leckeres optionales Frühstück im Café. Mit der für Japan typischen, dicken Scheibe Toast und dem Ei erinnert es mich an das Frühstück in Asakusa, Tokio, das ich während meiner ersten Japan-Reise in 2017 jeden Morgen genießen durfte.

Wir hatten ein kleines Einzelzimmer mit äußerst dünnen Wänden. Eines Nachts mussten wir sogar gegen die Wand klopfen, um unseren Teenager-Zimmernachbarn zu bedeuten, den Geräuschpegel bitte herunterzufahren. Oder sind wir einfach alt geworden?

Das Fenster hatte keinen Vorhang und das grelle Neonlicht eines benachbarten Gebäudes schien direkt ins Zimmer. Genauer gesagt in mein Gesicht, während ich im Bett lag. Wir behalfen uns und deckten das Fenster notdürftig mit einem Obstkarton aus dem Supermarkt ab.

Dennoch hält man es dort für einige Nächte gut aus. Das Hostel Tomar ist mit seiner Lage eine perfekte Ausgangsbasis für die Erkundung von Furano, dem Umland und sogar dem atemberaubenden Daisetsuzan-Nationalpark.

Windsurfender Schmetterling

Blütenzauber in Nakafurano

Der eigentliche Grund, warum wohl die meisten Touristen vor allem in den Sommermonaten nach Furano pilgern, sind die Blumenfelder. Im Juli gedeiht der Lavendel. Ich habe gelesen, dass Touristen zur Hochsaison sogar Heißluftballon-Fahrten über die Felder unternehmen können.

Machen wir uns nichts vor: Furano ist ein Instagram-Hotspot. Da ich jedoch selbst schon immer gerne fotografiert habe, kann auch ich mich den beeindruckenden Motiven nicht entziehen.

Natürlich darf der Photo-Spot nicht fehlen

Von Lavendel bekommen wir im September nichts mehr zu Gesicht. Es tut der Schönheit der Felder jedoch keinerlei Abbruch. Es gibt zahllose Blumenfelder und -farmen rund um Furano, die alle einen Besuch wert sind. Keines gleicht dem anderen. Die Japaner überbieten sich wirklich darin, besonders ästhetische und beeindruckende Arrangements der verschiedenfarbigen Blüten auf die Felder zu zaubern und daraus ein wahres Erlebnis für die Besucher zu machen.

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Wir haben zuerst den Nakafurano Flower Park besucht. Man kann hier durch die Felder wandeln, Fotografieren, die vielen Schmetterlinge und deren bevorzugte Blüten betrachten. Riesige Pilze am Wegesrand bestaunen. Und die Treppe entlang der Felder erklimmen, um zur Belohnung einen weiten Ausblick auf das Umland zu erhalten.

Blumenparadies Shikisai Hill

Das wahre Highlight war für mich Shikisai Hill. Wenn ihr nur ein Blumenfeld besucht, wählt dieses. Das Wort „Blumenfeld“ ist im Übrigen eine maßlose Untertreibung, für das, was euch in Shikisai Hill erwartet. Es handelt sich vielmehr um rollende, von bunten Blumenteppichen bedeckte Hügel, durch die ihr stundenlang flanieren könnt.

Shikisai Hill

Das Areal ist so weitläufig, dass es sogar einen Sightseeing-Zug und Golf Carts gibt, die laufmüde Besucher durch die Felder kutschieren. Ab und zu rollt uns ein Traktor entgegen. Wir sind in einem Mini-Farmville gelandet! Jede Kurve bietet neue Perspektiven. Meine Kamera läuft auf Hochtouren. Es ist früh am Morgen und die wenigen Besucher verteilen sich, sodass wir unsere Ruhe haben. Außer uns gibt es keinerlei westliche Touristen.

Ich finde sogar einen Platz, um kurz zu meditieren. Die Kraft dieses Ortes ist unglaublich. Ich halte es jedoch kurz, da mir der Gedanke einfach nicht aus dem Kopf gehen will, es könnte mich ein Bär von hinten attackieren, während ich so mit geschlossenen Augen dasitze.

Am Eingang des Areals gibt es Kioske, die landwirtschaftliche Produkte aus der Region anbieten. Und saisonale Snacks wie gegrillte Maiskolben und Kartoffeln, auf denen ein göttliches Stück Butter schmilzt. Ich vermute, euch läuft beim Lesen jetzt gerade ebenso das Wasser im Mund zusammen wie mir…

Furano: Ein Sinnesfest

Was bleibt zu sagen? Furano ist auch im Herbst ein Fest für die Sinne und absolut einen Besuch wert. Das köstliche lokale Essen wärmt von Innen, während die äußerlichen Temperaturen frostiger werden und eine Kostprobe geben, wie klirrend kalt die Winter auf Hokkaidō werden können.

Wir freuen uns, der Kälte bald ein Schnippchen zu schlagen und uns langsam aber sicher auf die Rückfahrt ins wärmere Honshū vorzubereiten.

Verfasst von:

Hallo! Mein Name ist Daniela. Ich arbeite im Marketing und lebe in München. Wenn ich nicht gerade arbeite oder reise, übe ich traditionelle Kampfkunst, Yoga oder mache Wanderungen in den bayerischen Voralpen. Schön, dass du hier bist und Teil meines Weges sein möchtest.

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