Jiaming Lake: Gottes verlorener Saphir

Auf unserer Erde gibt es einige wenige Orte, deren Zugang man sich nicht mit Geld erkaufen kann – man muss sie sich erwandern.

Der Jiaming See, auch bekannt als „God’s Lost Sapphire“ oder „Angel’s Teardrop“, liegt wie ein verborgenes Juwel im Herzen von Taiwans Zentralgebirge. Der zweithöchste Bergsee des Landes schimmert in einer Höhe von über 3.300 Metern – und der Weg dorthin ist so fordernd wie lohnend.

Jiaming Lake

Die atemberaubenden Aussichten vom See und dem Berg Xiangyang machen den Jiaming Lake Trail zu einer der beliebtesten Hochgebirgswanderungen. Die Gesamtdistanz, die man auf der 3-tägigen Wanderung zurücklegt, sind 26 Kilometer. Die wirkliche Herausforderung ist aber, dass man circa 2.300 Höhenmeter überwindet. Der höchste Punkt, der Gipfel des Xiangyang, liegt auf 3.600 Metern – Höhenkrankheit ist hier also wirklich ein Thema.

Ich war noch nie in solchen Höhen unterwegs. Zwei Dinge sind mir klar: Ich kann Taiwan nicht verlassen, ohne diesen Ort gesehen zu haben. Und: Ich werde das auf keinen Fall allein tun.

Buchung mit Hindernissen

Was in anderen Ländern eine einfache Online-Buchung ist, wird in Taiwan schnell zur Geduldsprobe. Die Infos im Lonely Planet enden mit „atemberaubende Wanderung“. Keine Details, keine Buchungshinweise. Eine Google-Odyssee führt mich zu völlig überteuerten Angeboten für Ausländer:innen oder Mandarin-only-Websites.

Ich will schon aufgeben, nehme ein letztes Mal Anlauf und schreibe mein Hostel in Taitung an. Und siehe da, sie vermitteln mir den Kontakt zu einer Agentur namens Taiwan368 – deren englische Unterseite so gut versteckt ist, dass Google Search sie schlicht ignoriert.

Meine wundervolle Wandergruppe

Der Buchungsprozess nimmt einige Zeit in Anspruch. Mein Google Translate läuft heiß und ich werde zu einer App namens LINE hinzugefügt, die in Taiwan gerne anstelle von WhatsApp verwendet wird. Ich leiste Anzahlungen bei mir unbekannten Zahlungsdienstleistern und muss warten, bis in einer Lotterie (!) die Genehmigungen für die begrenzte Anzahl an Besucher:innen ausgelost werden, die zum relevanten Zeitraum auf den Trail dürfen.

Mein Durchhaltevermögen wird am Ende belohnt. Ich bin erleichtert, als ich die Bestätigung erhalte, dass ich und sechs taiwanische Mitwandernde zu den Glücklichen gehören, denen die Genehmigung erteilt wurde. Und ich zahle ein Drittel des Preises der anderen Touren, die ich vorher im Internet gefunden habe.

Auf ins Abenteuer

Bis zuletzt bin ich nicht sicher, ob die Tour stattfindet, da das Wetter in Taiwan völlig unberechenbar ist. Ich lasse alles auf mich zukommen, halte meine Vorfreude im Zaum. In der Nacht vorher schlafe ich vor Aufregung nicht viel.

Dann ist es soweit. Am bereits vertrauten Bahnhof in Chishang ist der Sammelpunkt für den 2-stündigen Minivan-Transfer zum Trailhead. Heute ist Freitag und Markt in der kleinen Stadt. Dadurch ist deutlich mehr Leben in den Straßen als bei meinem letzten Besuch.

Und: Meine Gruppe ist nicht die einzige, die zum See aufbricht. Ich frage mich anhand eines über LINE geteilten Bildes nach meinem Guide durch. Zum Glück kennen sich die Guides untereinander und ich werde zum richtigen Wagen gelotst. Dort treffe ich JJ, unseren Wanderführer. Er ist ein lässiger, junger Kerl mit langen Haaren und limitierten Englischenntnissen.

Unser Wanderführer JJ

Nach und nach trifft der Rest unserer Gruppe ein: die zwei Freundinnen Jessica und Li-Wen, ein Pärchen, von denen sie Alice heißt und zwei weitere Solo-Reisende Jeanie und Michael.

Wo die Erde Falten wirft

Die Serpentinen, die uns im Minivan zum Trailhead bringen, sind nichts für schwache Mägen. Links und rechts tauchen mit dichtem Grün bewachsene, zerklüftete Berge auf. Hinter jeder Kurve wird die Landschaft noch atemberaubender. Taiwan’s Zentralmassiv ist eine Urgewalt. Ich stelle mir bildlich vor, wie ein Riese zwei Erdplatten genommen und krachend gegeneinander geschoben hat, um diese Berge aufzuwerfen.

Taiwans Zentralmasiv

Jeanie ist die erste, die mich auf Englisch anspricht, während wir nebeneinander auf der Rückbank sitzen. Ich erfahre, dass die 50-Jährige erst vor zwei Jahren angefangen hat, zu wandern. Ihr Ziel ist es, alle 100 Berge in Taiwan zu erklimmen, die über 3.000 Meter hoch sind. Sie hat Taiwan368 als Reiseveranstalter gewählt, da sie als tour company für ein jüngeres Publikum gelten. Das ist für sie entspannter, weil sie den Älteren dann nicht aus Respekt die ganze Zeit zuhören muss.

Tag 1: Warm-up

Der erste Tag ist keine körperliche große Herausforderung und dient dem Akklimatisieren. Die Etappe ist kurz, doch ich spüre sofort die Höhe. In nur zwei Stunden laufen wir zur Xiangyang Hütte, wo wir die erste Nacht verbringen. Mir ist etwas schwummerig und mein Herz hämmert ungewöhnlich stark gegen meine Brust.

Im Visitor Center gibt es vor Tourstart eine Einweisung, von der ich nichts verstehe, da sie nur auf Mandarin gegeben wird. Ganz wohl fühle ich mich damit nicht, denn es werden wichtige Verhaltensregeln und sicherheitsrelevante Informationen gegeben. Das ist leider ein Struggle, der die Tour begleitet.

Es schleift sich zwar so ein, dass ein Gruppenmitglied für mich das wichtigste auf Englisch wiedergibt. Aber manchmal rutscht es durch und dann stehe ich da und weiß nicht, ob wir gerade Pause machen, wie lange sie dauert, wann wir am nächsten Morgen aufstehen sollen, wann es Mahlzeiten gibt. Am Ende hat alles geklappt und vieles am Berg erschliest sich natürlich aus dem Kontext. Aber ich gebe zu, dass ich mich manchmal wie ein Kleinkind fühle.

Flora und Fauna

Im Falle der Talstation erschließen sich die Basics anhand der Schilder. Auf einer Tafel sind Tiersichtungen vermerkt. Und ich stelle hier bereits fest: Die Chance einem Formosan Black Bear zu begegenen, ist hier ziemlich hoch. Ich fühle mich an Japan zurück erinnert, wo die Sorge vor Bären beim Wandern ebenfalls omnipräsent war.

Wir werden darauf hingewiesen, keine Essenensreste oder Verpackungsmüll liegen zu lassen. Unsere Rücksäcke hängen wir stets auf Haken über dem Bett, damit kein Tier sich an ihnen zu schaffen macht. Und besonders gruselig: Als ich nachts zu den Plumpsklos stolpere, die sich außerhalb unserers Schlaflagers befinden, leuchtet meine Stirnlampe ein grell reflektierendes Warnschild an: Toilettenkabinen bitte auf Bären prüfen. Chillig! Ich bin hellwach.

Good to know: Es gibt die Option, im Visitor Center einen Sack Kieselsteine mit auf den Berg zu tragen. Hier könnt ihr etwas Gutes für den Erhalt der Wanderwege tun, die mit der Erosion zu kämpfen haben.

In der Xiangyang-Hütte erwartet uns ein köstliches Abendessen – Shabu Shabu. Inklusive einer vegetarischen Version, die ich vorbestellt hatte. Statt einfach nur das Fleisch wegzulassen, bekomme ich über die nächsten Tage liebevolle Fleisch-Imitate aus Tofu, Baos mit Pilzfüllung und Extraportionen köstlichen Gemüses. Ich bin baff, dass mitten in der Wildnis ein Catering-Team für uns kocht. Taiwaner:innen zelebrieren gutes Essen, selbst auf 3.000 Metern.

Tag 2: Engelstränen

Um zwei Uhr Morgens klingelt der Wecker. Die Nacht ist kurz und hart. Wir schlafen auf Holzbrettern über die nur eine dünne Isomatte ausgerollt wird. Die Schlafsäcke, die uns zur Verfügung gestellt werden, sind schön warm und gemütlich. Aber ich habe versäumt, mir ein aufblasbares Kissen mitzunehmen und bette meinen Kopf deshalb denkbar unbequem auf meinem Kulturbeutel.

Zeit, um darüber zu lamentieren, habe ich zum Glück keine. Es gibt ein großzügig mit Gemüse und Ei belegtes Triple-Decker-Sandwich zum Nachtmahl – Frühstück kann man es um die Uhrzeit wohl nicht nennen. Um drei Uhr ziehen wir los, kurz nachdem sich die andere Gruppe auf den Weg gemacht hat. Wir starten immer leicht zeitversetzt, damit nicht zu viele Menschen sich auf den Wegen drängen.

Die Leuchtkegel unserer Stirnlampen tanzen über den Pfad. Als dann die Sonne aufgeht, verschlägt es mir den Atem. Das Naturspektakel ist so einzigartig schön und berührend, dass weder Worte noch Bilder es beschreiben können. Ein rotglühender Feuerball schiebt sich über das fluffige Wolkenmeer. Die Sonnenstrahlen sind wie Lanzen, die sich in den tintenblauen Nachthimmel bohren, an dem noch die Sterne glänzen.

It’s easy to be content in nature

Gegen acht Uhr Morgens kommen wir an der Jiaming Lake Hütte an. Mein Körper und Geist sind verwirrt. Wir sind schon fünf Stunden gewandert, aber es ist früh am Morgen. Ich spüre die Höhe. Und die gnadenlose aufkommende Hitze. Das Catering-Team der Hütte war vor uns da und hat einen leckeren Nudel-Snack für uns vorbereitet. Wir machen Pause, ziehen uns um und hängen alles, was wir für den Gipfel nicht brauchen in IKEA-Taschen an Haken unter die Verandadecke.

Uns steht der letzte steile Aufstieg zum Jiaming See bevor. Der Aufstieg dauert vier Stunden und ist hart. Das Terrain ist alpin und erfordert gute Technik. Der Sonne sind wir in dieser Höhe schutzlos ausgeliefert. Sie brennt uns gnadenlos auf den Kopf. Die Luft ist dünn und der Schlafmangel tut sein übriges. Jeder Schritt ist ein Kraftakt.

Als das türkisblau glitzernde Auge des Sees endlich vor uns liegt, ist für einen Moment alles vergessen. Ich kratze mein letztes bisschen Energie für die Fotos zusammen. Dann sacke ich ins Gras, esse meinen mitgebrachten Lunch aus Reisbällchen und Brot mit schwarzer Sesamfüllung, Nüssen und Trockenobst – und schlafe prompt mit der Cap auf dem Gesicht ein. Irgendjemand macht ein Foto. Als entzückendes Motiv finde ich in dieser charmanten Pose meinen Weg in die Cams und Smartphones aller Mitwandernden.

Ziel erreicht!

Auf dem Rückweg macht ein Teil unserer Gruppe einen Schlenker über den Sancha Mountain Peak. Jeanie und ich haben keine Kraft mehr und schlendern langsam zurück zur Sancha Mountain Intersection, um dort auf die anderen zu warten. Dort verlassen Jeanie die Kräfte. Sie legt ihre Jacke auf den Kiesboden und döst in Embryonalstellung für ein paar kostbare Minuten, bis der Rest der Gruppe eintrifft. Mit letzter Kraft treten wir den Rückweg zur Hütte an.

Philosophie und French-Rap

Wir schaffen es nicht einmal, bis zum Abendessen wach zu bleiben. In unseren Schlafsäcken kuscheln wir uns auf einer langen Holzpritsche nebeneinander. Ich fühle mich ziemlich wohl, als einzige Ausländerin in einer Hütte voller Taiwaner:innen. Ohrenstöpsel rein und gute Nacht!

Die Jiaming Lake Cabin ist die einfachste auf der Tour. Es gibt kein fließend Wasser, um das eigene Geschirr abzuspülen. Oder sich das Gesicht zu waschen. Oder Zähne zu putzen. Ganz davon abgesehen, dass ich mich nach einer Dusche sehne, wie nie zuvor in meinem Leben.

Deluxe Dinner

Das Abendessen ist dafür wieder fürstlich. Ich bekomme ein Tofu-Set für Champions: Neben einer stärkenden Suppe, einem Spiegelei, Reis und viel frischem Gemüse, sind darin eine Scheibe Salami, zwei Mini-Pasteten und ein Burger-Pattie aus Fleischersatzprodukten enthalten. Ich habe mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass für mich als einzige Vegetarierin so ein Aufwand betrieben wird.

Aboriginal conversations

Und meine Gesellschaft könnte nicht spannender sein: Der Guide der anderen Gruppe, mit der wir uns die Hütten teilen, spricht mich auf flüssigem Englisch an. Immer wenn wir auf der Tour aufeinander trafen, hatte er ein Lächeln oder einen Witz für mich parat. Oder hat französischen Rap aus mitgebrachten Boxen gespielt, um uns beim Pausemachen zu erheitern.

Von Jeanie weiß ich bereits, dass er Angehöriger eines indigenen Volkes ist, das in der Umgebung des Jiaming Sees lebt. Welch ein Privileg, mit so einem Menschen ins Gespräch zu kommen – außerhalb der Touristen-Shows, die Tourist:innen angeboten werden, um die indigene Bevölkerung Taiwans zu erleben.

Der Mann hat sonnegebräunte Haut und auffallend weiße Zähne. Sein Aussehen und seine Persönlichkeit unterscheiden sich von den Taiwaner:innen, die mir bisher auf meiner Reise begegnet sind. Er wirkt auf mich entspannt, humorvoll und aufgeschlossen.

Wir unterhalten uns über sein Unternehmen Taiwan Aboriginal Outdoor Adventures. Ich gebe ihm das Versprechen, mit ihm auf den Jade Mountain zu wandern, wenn ich wieder nach Taiwan komme. Und erfahre, dass er schon Surflehrer war, Klettertouren angeboten hat und jetzt Wanderführer ist. Ich spüre seine Verbundenheit zu Natur und Heimat ganz eindrücklich.

Wir philosophieren über das Leben und ich bekomme den abschliesenden Rat von ihm: Go travel! Money in the bank is useless when you’re old. Der Gedanke hebt meine Stimmung. Das und der Umstand, dass mir mehrere Menschen im Vorbeigehen einfach Süßigkeiten auf den Tisch legen, die ich als Ausländerin unbedingt probieren muss.

Schutzsuchende

Dann bricht Regen über uns herein. Ich bin unendlich froh darüber, dass das Wetter erst umschwenkt, als wir auf der Hütte sind. Regen in Taiwan, vor allem in exponierter Höhenlage, ist eine andere Hausnummer. Es schüttet aus Eimern. Sogar der mit Wellblech überdachte Weg zu den Plumpsklos wird zur Herausforderung.

Eine nette Taiwanerin aus der anderen Wandergruppe winkt mich aufgeregt zu sich heran und zeigt mir beigeistert einen riesigen Hirsch, vermutlich ein Formosan Sambar Deer, der sich in nächster Nähe zu uns unter dem Toilettendach vor dem Regen versteckt hat.

Tag 3: Gipfelglück

Der nächste Tag startet wieder früh. Um 04:00 laden wir unsere Energiespeicher mit einem taiwanischen Pancake, radish cakes und einem XXL-Bao auf. Dazu gibt es ein Gemisch aus Milch, Tee und Kaffee – Hong-Kong-style.

Nachtmahl

Die Tiger-Balm-Pflaster, die Michael am Vorabend an uns alle verteilt hat, sorgen dafür, dass ich nicht einmal Muskelkater in den Waden habe. Wir sind allesamt erholter als gestern. Erst später erfahre ich, dass ein Mädchen aus unserer Gruppe sich wohl nachts übergeben musste, weil sie unter Höhenkrankheit litt.

Um 05.00 verlassen wir die Hütte und brechen zum Gipfel des Xiangyang Mountain auf. Sein chinesischer Name bedeutet „mountain facing the sun“. Und der Sonnenaufgang zeigt mir, warum.

Es gibt wenige Sonnenaufgänge, die sich mir nachhaltig eingeprägt haben. Mein bisheriges Highlight war es, die Sonne über einem nicht restaurierten Teil der chinesischen Mauer bei Peking aufgehen zu sehen. Dieses Erlebnis bekommt durch den Sonnenaufgang, den wir heute erleben dürfen, ernsthafte Konkurrenz.

Wir erreichen den Xiangyang Mountain Peak als die Sonne sich majestätisch über Taiwans Zentralmassiv erhebt und uns in gleisendes Licht taucht. Ich stehe auf 3.600 Metern – meinem persönlichen Höhenrekord beim Wandern.

Ich bin stolz. Und erschöpft. Und vielleicht drehe ich vor lauter Dopamin ein wenig am Rad. Ich werde diesen Moment nie vergessen. Die Bilderserie, die auf dem Gipfel entstanden ist, spricht Bände: Das Glück springt mir förmlich aus dem Gesicht. All die Strapazen sind vergessen. I am exactly where I am meant to be.

Wo der Pfeffer wächst

Auf dem Rückweg zur Xiangyang Hütte, in der wir unsere erste Nacht verbracht hatten, ist Raum für Gespräche. Unsere kleine feine Gruppe ist durch das gemeinsame Abenteuer zusammengewachsen. Erst nach Tagen stelle ich fest, dass so gut wie alle Taiwaner:innen meiner Wandergruppe ziemlich gutes Englisch sprechen. Berührungsängste und Schüchternheit waren der Grund für ihre Zurückhaltung.

Ich unterhalte mich mit Alice über ihre Studienzeit in Vancouver, die so intensiv war, dass kein Raum blieb um Kanada zu erkunden. Und die Zeit danach, in der sie als Softwareingenieurin in New York gearbeitet hat. Wir tauschen uns über Corona und die Vorteile von remote work aus. Wir leben an solch unterschiedlichen Orten und doch bewegen uns die gleichen Themen.

Mit Michael, der Ingenieur bei einem Halbleiterhersteller ist, unterhalte ich mich über deutsche Geschichte. Zweiter Weltkrieg, Mauerfall, Kulturunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland, Kommunismus und Demokratie – der Mann ist hochgebildet. Mit erfrischender Direktheit erfragt er meine Meinung zum Ukraine-Krieg. Und möchte wissen, ob Deutschland deswegen immer noch Probleme mit der Energieversorgung hat, bevor wir zu seichteren Themen wie unseren Lieblingssportarten und den besten Restaurants in seiner Heimatstadt Tainan übergehen, die noch auf meiner Reiseroute steht.

Wir stoppen bei 1.000 Jahre alten Wacholderbäumen, die vom Wind in kuriose Formen gebogen wurden. Und wandern um einen Teich, dessen Wasser durch Humus-Ablagerungen dunkelbraun gefärbt ist. Der Himmel spiegelt sich in der glatten, dunklen Oberfläche und das Ufer ist gesäumt von Sträuchern, an denen wilder Pfeffer wächst.

Nach einer kurzen Verschnaufpause an der Xiangyang Hütte, geht es zurück zum Besucherzentrum und damit das Ende des Wanderweges. Wir haben es geschafft!

Mission accomplished

Unsere Rückkehr in die Zivilisation ist chaotisch. Der Fahrer unseres Minivans rast die Serpentinen hinunter, als gäbe es ein Rennen zu gewinnen. Wir werden am Bahnhof in Guanshan abgesetzt – nicht in Chishang, wie geplant. Wir verabschieden uns, nur um wenig später im Railway Bento Shop und am Bahnhof wieder aufeinanderzutreffen.

Ich nehme alles mit großer Gelassenheit, da ich so positiv aufgeladen bin von dieser einmalig schönen Wanderung bin. Der Jiaming Lake wird mich noch lange begleiten – eine Engelsträne, die in meinem Herzen weiterglitzert. Und vor allem freue ich mich auf das Wiedersehen mit meinem großen Rucksack und eine ausgiebige Dusche im On my way Hostel in Taitung!

Verfasst von:

Hallo! Mein Name ist Daniela. Ich arbeite im Marketing und lebe in München. Wenn ich nicht gerade arbeite oder reise, übe ich traditionelle Kampfkunst, Yoga oder mache Wanderungen in den bayerischen Voralpen. Schön, dass du hier bist und Teil meines Weges sein möchtest.

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