Reise ins alte Kuala Lumpur: Chinatown

Auch heute beginnt mein Tag mit einem Kaffee bei Zus. Ein kurzer Moment des Innehaltens, bevor ich mich in das Gewimmel der Stadt stürze. Ich sitze mit meinem überdimensionierten Becher im ersten Stock des Cafés und blicke auf den Pasar Seni, KL’s berühmten Central Market.

Kommerz und Kultur: Pasar Seni

Man sieht es ihm nicht an, doch der Markt gehört zu den traditionsreichsten Orten der Stadt. Er wurde bereits 1888 als wet market im damaligen Stadtzentrum etabliert. In das heutige Art-Déco-Gebäude ist er erst 1937 umgezogen.

Heute versteht sich der Central Market vor allem als kulturelles Zentrum für malaysisches Kunsthandwerk, lokale Produkte und Souvenirs aller Qualitätsklassen. Als ich später am Tag noch einmal durch die überfüllten Gänge schlendere, erkenne ich den Markt kaum wieder. Touristisch war er schon immer, vor allem im Erdgeschoss. Aber es hatte irgendwie Charme. Heute ist alles glattpoliert und für meinen Geschmack zu stark kommerzialisiert.

Verschwunden sind die kuriosen Fisch-Spas im Obergeschoss, über die ich mich 2011 so amüsiert habe. Wahrscheinlich hängt es mit der grundsätzlichen Verbesserung der Hygiene zusammen, dass es inzwischen nicht mehr erlaubt ist, sich von kleinen Fischen die abgestorbene Haut von den Fußsohlen nuckeln zu lassen.

2011 kam es bei meinen Streifzügen durch KL durchaus noch zu weniger appetitlichen Szenen. Ich erinnere mich noch zu gut daran, dass ich auf der verzweifelten Suche nach einer Toilette, schließlich in einem Restaurant in Chinatown fündig wurde: Nur um festzustellen, dass dort frisches Obst direkt neben der Hocktoilette gelagert wurde. Wie gut, dass ich dort nicht gegessen hatte!

Auch wenn es kein Vergleich zu Städten wie Singapur ist: Heute wirkt KL deutlich sauberer, einen Deut organisierter und zweifelsohne moderner.

Der Pasar Seni liegt nur wenige Gehminuten von der Petaling Street entfernt, der Hauptachse von KL’s berühmter Chinatown. Die überdachte Passage fühlt sich mittlerweile leider auch mehr inszeniert als authentisch an.

Ich gehe zügig weiter.

Unfinished business: Sri Maha Mariamman Tempel

Mein Ziel ist eigentlich das Four Points by Sheraton Hotel, wo ich mich später mit der Gruppe meiner Chinatown Walking Tour von Unscripted treffe.

Vorher muss ich aber noch ein Vorhaben erfüllen, das seit 2011 unerledigt ist: Ein Besuch des Sri Maha Mariamman Tempels, einem ikonischen Hindu-Tempel im Herzen von Chinatown. Er wurde 1873 von indischen Immigrant:innen als Schrein für die Göttin Mariamman errichtet, die als Schutzpatronin gegen Krankheiten verehrt wird.

Vignette: Vierzehn Jahre lang habe ich darauf gewartet, diesen Ort zu besuchen. Während meines Aufenthalts in 2011, war ich eine Zeit lang sehr verängstigt wegen Berichten von Gewaltverbrechen in KL. Ab und an fand bei den Outings mit Angie und Ray eine englischsprachige Zeitung ihren Weg in meine Hände. Dort laß ich von Säureangriffen am Merdeka-Square und von eifersüchtigen Ehemännern, die ihre Frauen lebendig verbrannten.

Dazu kamen die Stories meiner Kolleg:innen, die mir von Raubüberfällen berichteten, bei denen Täter mit dem Motorrad in Straßenrestaurants fuhren und Wertgegenstände von den Tischen klauten oder die Riemen von arglos über die Schulter getragenen Handtaschen im Vorbeifahren durchschnitten.

Für meine Gasteltern hatte meine Sicherheit oberste Priorität. Von Tag 1 bleuten sie mir ein, mein Handy im Restaurant nicht auf den Tisch zu legen, in der MRT nicht zu telefonieren und meine Taschen diebstahlsicher zu verstauen. Sie wollten nie, dass ich in unserer Nachbarschaft alleine auf die Straße gehe, im unversperrten Auto sitzen bleibe, oder zum Geldautomaten gehe. Ich wurde überall hin gefahren und von den beiden links und rechts als Bodyguards flankiert.

Heute weiß ich, dass viele dieser Horrorgeschichten Einzelfälle von Gewaltverbrechen waren, wie sie auch aus dem Englischen Garten in München oder vom Nürnberger Christkindlesmarkt berichtet werden. Damals war ich aber noch so jung und unerfahren, dass ich zeitweise so große Angst um meine Sicherheit hatte, dass ich mich nicht mehr traute, mich frei durch die Stadt zu bewegen.

Als ich den Weg zum Sri Maha Mariammam Tempel damals nicht auf Anhieb fand, versuchte ich es kein zweites Mal. Ohne Navigationshilfe durch Google Maps, war es mir zu unsicher, alleine durch die Straßen von Chinatown zu laufen. Und für die paar Meter wollte ich mir auch kein Taxi nehmen. Somit blieb mein Wunsch lange Jahre unerfüllt.

Heute aber hält mich nichts mehr auf.

Ich habe großes Mitgefühl mit meinem jüngeren Ich, als ich realisiere, wie spielend einfach der Tempel mit technischer Unterstützung zu finden ist.

Auch meine Sorge, mit Shorts nicht eingelassen zu werden, ist unbegründet. Am Eingang verleiht ein grummeliger alter Mann für einen MYR ein Tuch, das ich mir um die Hüften wickeln kann. Auch meine Schuhe gebe ich in eine kleine Aufbewahrungsbox – ein Service, der vermutlich den Diebstahl teurer Markenschuhe verhindern soll. Für meine abgelatschten Birkenstock sehe ich eigentlich kein zu großes Risiko, aber better save than sorry.

Dann trete ich ein und werde für die langen Jahre des Wartens doppet und dreifach belohnt.

Gerade findet eine farbenfrohe Zeremonie statt, der ich als stille Beobachterin beiwohnen darf. Imposante indische Priester mit zeremoniellen Gewändern und weiß bemalten nackten Oberkörpern trommeln und musizieren. In der Tempelhalle haben sie Gewürze in Schälchen und ein atemberaubend schönes Mandala aus Muschelschalen ausgelegt.

Ich bin zutiefst gerührt.

Die Atmosphäre ist überwältigend. Zu Trommelklängen laufe ich an den farbenfrohen Statuen der Hindu-Gottheiten vorbei. Umgeben von Räucherduft und Musik, vergesse ich für ein paar kostbare Momente, dass um mich herum die Skyscraper einer Millionenstadt in den Himmel ragen.

Indien übt eine große Faszination auf mich aus. Diese Erlebnis verstärkt meine Sehnsucht und bestätigt mein Vorhaben, dieses Land eines Tages zu bereisen.

Spaziergang mit Jane

Dann muss ich mich zum Treffpunkt unserer walking tour sputen. In Lady Yi’s Tea House im Four Points by Sheraton beschnuppert sich die Gruppe bei herrlich kühlendem Eistee.

Unsere heutige Tourguide ist die legendäre Jane.

Jane ist alles andere als eine typische Stadtführerin. Sie ist in Chinatown aufgewachsen. Ihr Vater war ein Sikh-Polizeichef in diesem Viertel. Die Touren organisert sie nicht primär aus kommerziellen Gründen, sondern aus dem Wunsch heraus, das reiche kulturelle Erbe von Chinatown lebendig zu halten.

Die Organisation Unscripted, für die sie tätig ist, wurde 1993 als gemeinnützige Initiative gegründet. Ursprünglich wollten Jane und ihr Team die walking tours nur für eine lokale Zielgruppe anbieten. Doch dann zeigten auch mehr und mehr internationale Gäste Interesse.

Das spiegelt sich in der heutigen Gruppe wieder, die bunt gemischt ist: Die Teilnehmenden kommen aus Malaysia, Taiwan, den USA, Deutschland und Finnland.

Chinatown: ein Schmelztigel

Jane beginnt die Tour mit einer wichtigen Klarstellung.

Chinatown ist zwar historisch durch chinesische Einwanderer geprägt – vor allem Hakka und Kantonesen, die im 19. Jahrhundert zum Zinnabbau nach KL kamen. Doch das Viertel war schon immer kulturell divers.

Bereits der erste Blick aus dem Fenster gibt den Blick auf eine ehemalige britische Schule und ein Football-Feld frei, das in nächster Nähe zu einer chinesischen Versammlungshalle, indischen Tempeln und einer Reihe kolonialer townhouses steht.

Jane führt uns zu einem Sikh Tempel, den sie als Kind regelmäßig mit ihrem Vater besuchte. In nächster Nähe befindet sich die ehemalige Polizeistation des Viertels, die später in eine Poststelle umfunktioniert wurde und heute das charmante Kafei Dian beherbergt.

Janes Tour geht richtig unter die Haut. Wir pendeln von landmark zu landmark und erfahren aus erster Hand beeindruckende Geschichten über das Leben der historischen Bewohnerinnen Chinatowns.

Kapitans, Hausmädchen und Opiumhöhlen

Auch die Schattenseiten spart Jane nicht aus.

Im kolonialen Chinatown florierten Opiumhöhlen, Glücksspiel und Prostitution rund um die Petaling Street und Kwai Chai Hong („ghost lane“).

Good to know: Um Steuern zu erheben und die Arbeiter bei Laune zu halten, vergaben die Briten Opium- und Alkoholmonopole an chinesische Unternehmer. Zwar finanzierten diese Gewerbe den wirtschaftlichen Aufschwung, sie führten aber auch zu Abhängigkeit und Konflikten.

Wir erfahren von der Rolle der kapitans, die als Vertreter der chinesischen Gemeinde mit den lokalen Malay-Führern und ab 1874 auch den britischen Kolonialbehörden verhandelten. Der wohl berühmteste chinesischer Kapitan der Stadt war Yap Ah Loy. Er spielte eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau KL’s nach großen Brändchen und prägte die Entwicklung von Chinatown durch Handel und Immobiliengeschäfte.

Sein Rivale Chow Kit profitierte im späten 19. Jahrhundert stark von der Opium- und Alkoholherstellung. Im nach ihm benannten Viertel Chow Kit befindet sich mein Condo – und ich erfahre, das dem Stadtteil auch heute noch eine eher gemischte Reputation anhaftet.

Café Hopping

Während wir durch Arkadengänge schlendern, die zuverlässigen Schutz vor Regen, Sonne und dem Schutz der Straße bieten, zeigt uns Jane viele charmante lokale Cafés, die keinen Instagram-Hype erfahren und gerade deshalb sehr unterstützenswert sind. So zum Beispiel das Old China Café, das immer noch die historischen Eingangstüren aus der Zeit hat, in der es zur Laundry Association gehörte.

Im Kaffe 16 holen wir uns köstlichen Specialty Coffee to go, erleben dabei ein historisches townhouse von innen und nehmen ein Stück unnützes Wissen mit: die Pandan-Plantagen der Umgebung wurden in der Vergangenheit mit den überschüssigen Exkrementen der Einwohner von Chinatown gedüngt. Yummy.

Diesen fun fact muss ich beim Besuch von Ching Ching by Pandan Republic schleunigst aus meinem Kopf verdrängen. Ich kehre nach unserer Tour dorthin zurück, um die köstlichen Klebereis-Küchlein zu verkosten, auf die sich dieses wundervolle Café spezialisiert hat.

Street Art und Skyscraper

Jane erzählt uns vom früheren Gefängnis des Viertels und das Theater, das sich in nächster Nähe dazu etablierte, um die Insassen zu unterhalten. Eine andere Art von Entertainment bot die Prostitution, die in den historischen Straßen florierte.

Um die vielen Menschen unterschiedlicher Professionen zu beherbergen, etablierten sich die ersten airbnbs im Obergeschoss der townhouses. Bis zu 60 Menschen fanden darin Platz – vom Opensänger bis zum Koch.

Szenen aus dem Alltag der Menschen zeigen die vielen Street Art Kunstwerke, die sich über mehrere Straßenabschnitte verteilen und herrliche Fotomotive hergeben. Sie sind Teil einer Initiative, die sich darum bemüht, die zuvor stark heruntergekommenen Gassen des historischen Viertels zu verschönern.

Zwischen den engen Gassen ragt wie eine erhobener Zeigefinger immer wieder KL’s neuester Skyscraper in den Himmel: Merdeka 118. Seit der Fertigstellung in 2024 ist das Gebäude mit seinen 118 Stockwerken und 679 Metern nach dem Burj Khalifa in Dubai der zweithöchste Wolkenkratzer der Welt.

TCM und Kung Fu Nudeln

Im weiteren Verlauf der Tour zeigt uns Jane ein Leihhaus, einen Kalligrafie-Laden, ein Glücksspielhaus und eine beeindruckende Apotheke, in der wir einen Plausch mit einem hoch-dekorierten Arzt halten, der sich auf Traditional Chinese Medicine (TCM) spezialisiert hat. 

Wir durchqueren die Garküchen, die sich rund um den Tang City Foodcourt angesiedelt haben. Erfahren von Menschen, die ihren gut bezahlten Job bei einem deutschen Sportartikelhersteller aufgegeben haben, um Nudeln in einer Garküche zu verkaufen. Müssen zweimal hinschauen, als wir überdimensionierte Frösche in der Auslage eines Restaurants erspähen. Und schauen den Köchen im Restoran Mee Tarik dabei zu, wie sie Kungfu Nudeln mit beeindruckender Geschwindigkeit von Hand ziehen.

Vignette: Wenn die Malayen eines lieben, dann ihren king of fruits: Die große, stachelige Durian wird auch als „Stinkfrucht“ bezeichnet, da ihr Geruch an süßlich-säuerliches Abwasser erinnert. In Hotels und öffentlichen Verkehrsmitteln ist sie deshalb verboten. Für die Einheimischen ist die Durian trotzdem eine Delikatesse. Sie bereiten daraus Speiseeis, Kuchen, Pudding und Kekse zu, oder essen sie einfach pur.

Jede:r von uns darf an einem Verkaufsstand einmal ein besonders prachtvolles Exemplar in die Hand nehmen. Für mich ist es nicht die erste Begegnung: Auf einer Dienstreise in 2011, hielten meine Kolleg:innen am Straßenrand, um mir eine Verkostung zu ermöglichen.

Meine Beziehung zur Lieblingsfrucht der Malayen begann und endete dort. Schon beim Aussteigen aus dem Auto nahm ich den strengen Geruch der Früchte in der Hitze wahr, die feinsäuberlich auf dem Verkaufstisch aufgereiht waren, Ich habe ihn damals in meinem Tagebuch als eine „Mischung aus Kadavergeruch und Erbrochenem“ beschrieben.

Natürlich waren alle hochgespannt, wie das Urteil einer Ausländerin über die Durian ausfallen würde. Ich kam nicht darum herum, einen der großen Fruchtkerne, die mit weichem, warmem und äußerst übel-riechendem Fruchtfleisch überzogen sind, anzuknabbern. Ich bin ehrlich: Ich fand es ekelhaft. Natürlich ließ ich mir das aus Höflichkeit nicht anmerken und lächelte für die zahlreichen auf mich gerichten Kameras. Wer aber genau hinsieht, kann das Leid in meinen Augen blitzen sehen.

Das Schlimmste war jedoch nicht der Verzehr, sondern seine Folgen: Auf Anraten meiner Kolleg:innen trank ich viel Wasser nach, da die Durian als heaty fruit gilt. In Kombination mit alkoholischen Drinks später am Abend hat sie leider mehr als nur Hitze in meinem Körper erzeugt und ich habe den kompletten nächsten Tag krank im Hotelbett verbracht.

Ich persönlich verzichte also gern auf eine weitere Kostprobe, habe aber meine Freude daran zu beobachten, wie die Malayen auf die Stinkfrucht abfahren.

Zum Abschluss unserer Tour besuchen wir einen traditionellen Teehändler, der eine lange Historie im Import chinesischer Teesorten hat und uns schildert, wie er sein Angebot graduell an die lokalen Bedürfnisse nach schwarzem Tee anpasste.

Ein gelungener Abschluss und ich würde der Tour von Unscripted eine 10 / 10 geben. Eine klare Empfehlung, egal ob ihr KL zum ersten oder x-ten Mal besucht!

Blind date mit einem Buch

Nach so viel Input und Herumlaufen bin ich hungrig. Ich wähle zum Lunch eine exzellente süß-saure Rindfleisch-Nudelsuppe bei Wawafish. Zum Dessert gönne ich mir eine Variation von Klebereiskuchen und cold brew coffee mit süßem Bären-Eiswürfel bei Ching Ching by Pandan Republic.

Danach vertreibe ich mir etwas Zeit in Chinatown’s neuester Insta-Attraktion: dem BookXcess im REX KL Entertainment Center. Diese Buchhandlung glänzt weniger durch ihr Inventar als die höchst fotogenen Bücherregale, die wie in einem Labyrinth angeordnet sind. Ich bin semi-beeindruckt: Been there. Done that. Next.

Eine wirklich tolle Massage könnt ihr euch bei Uroot gönnen. Ich kehre während meines Aufenthalts in KL sogar zwei Mal zurück. Das Spa ist auf traditionelle malaysische Massage spezialisiert, die wie das Land selbst verschiedenste kulturelle Einflüsse vereint: Während draußen heftiger Monsunregen aufzieht, schmelze ich zwischen chinesischen Qi Gong Atemübungen, indischer Kopfhautmassage und traditioneller malaysischer Ganzkörpermassage dahin.

Blackout im Untergrund

Als ich aus meiner Glückseeligkeit wieder auftauche, hat das Gewitter seinen Höhepunkt erreicht. Nach mehrtägiger Regenpause, entlädt sich der Monsun mit voller Wucht. Als ich mit der MRT in Bukit Bintang ankomme, fällt der Strom aus und ich steuere einige sehr lange Minuten mit vielen kleinen Menschen und deren Handylichtern im Untergrund herum. Auch ein Erlebnis!

Vignette: Regen in Malaysia ist eine andere Hausnummer als Regen in Europa. Ich war damals von Oktober bis Dezember in Malaysia, mitten in der Monsun-Zeit.

Der Regen kommt zu dieser Jahreszeit in Malaysia zuverlässig jeden Tag und hält für 1-2 Stunden an. Innerhalb weniger Sekunden im Freien, wird man klatschnass, als hätte jemand einen vollen Eimer Wasser über einem ausgegossen. Genauso schnell wie er kommt, verschwindet der Regen dann auch wieder und wird von drückend-schwüler Hitze abgelöst.

Ich erinnere mich an einen Zwischenfall mit meiner Kollegin Vicky aus dem Vertrieb: Wir mussten mit dem Auto umkehren, da die Polizei eine völlig überschwemmte Straße abgesperrt hatte, auf der bereits mehrere Fahrzeuge liegen geblieben waren. Die Kanalisation konnte die Wassermengen nicht aufnehmen, die Gullideckel wurden nach oben gedrückt und die Straßen komplett geflutet.

Eine ähnliche Lage ergab sich, als ich mit meiner Kollegin Chin aus der Qualitätssicherung vom Afterwork-Badminton nach Hause gefahren bin. Alle Straßen waren dicht und Chin meinte, dass wir Glück hatten, denn nur wenig später wären sie für uns unpassierbar geworden.

Ein anderes Mal fuhren Angie und ich nach der Arbeit zum Abendessen gerieten in ein furchterregendes Gewitter. Es fühlte sich an, als würde sich der Blitz um uns herum ausbreiten und der Donner schallte so laut, als wäre die Hölle entfesselt worden. Vom Regen ganz zu schweigen: Die Autos konnten schon fast nicht mehr fahren und wir hatten richtig Angst auszusteigen. Schreiend und lachend kam sie mit ihrem Regenschirm an meine Autotür und wir legten einen Sprint zum Food Court hin. Der Inhaber hat daraufhin völlig unbeeindruckt die Rolläden heruntergelassen und wir mussten uns dort verschanzen, bis die Straßen wieder passierbar wurden.

Süßer Ausklang

Ich ziehe mich in die regensicheren Hallen des Pavillion Foodcourts zurück und esse eine scharf gebratene Makrele mit Okraschoten zu Abend. Dazu gibt es kühlendes Rojak, einen malaysischen Obst‑ und Gemüsesalat mit süß-saurer Soße.

Zum Dessert shoppe ich im Supermarkt im Souterrain der Quill City Mall eine bunte Auswahl an tropischen Früchten: Mango, Mangosteen und: pinke Drachenfrucht. Denn mit der verbinde ich ganz besondere Erinnerungen.

Vignette: Als ich bei meinem ersten Aufenthalt erst wenige Tage in Malaysia gelandet war, brachte mir Angie eine pinke Pittaya mit, die ich ganz begeistert zum Dinner verspeiste. Aus Deutschland kannte ich bis dato nur die Variante mit weißem Fruchtfleisch.

Am nächsten Morgen musste ich entsetzt feststellen, dass mein shi-shi (chinesisch für, nun ja: Pipi) eine rötliche Farbe zeigte! Panisch rannte ich zu Angie, in der Befürchtung mir nach nur wenigen Tagen eine exotische Tropenkrankheit eingefangen zu haben.

Die brach in schallendes Gelächter aus und klärte mich amüsiert darüber auf, dass die pinke Drachenfrucht für eine Zeit nach dem Verzehr ALLE Ausscheidungen des Körpers rötlich einfärbt.

Die Story war ein Renner in unserer Firma. Und auch ich kann heute sehr darüber lachen.

Seelig verspeise ich meine Früchte und schwelge in Erinnerungen. Ich habe das Gefühl, die nächsten Tage werden noch viele davon wachrufen.

Verfasst von:

Hallo! Mein Name ist Daniela. Ich arbeite im Marketing und lebe in München. Wenn ich nicht gerade arbeite oder reise, übe ich traditionelle Kampfkunst, Yoga oder mache Wanderungen in den bayerischen Voralpen. Schön, dass du hier bist und Teil meines Weges sein möchtest.

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