In Taipei könnt ihr alles erleben: Wolkenkratzer, die in den Himmel wachsen und jahrhundertealte Tempel. Street Art und Shopping-Malls sind nur ein paar Schritte entfernt von grünen Parks und Künstlerdörfern.
Auf meiner Erkundungstour durch Taipei City statte ich großen Sightseeing-Klassikern einen Besuch ab. Entdecke aber auch ein paar Orte, die auf den ersten Blick unscheinbar sind und Faszinierendes bereithalten.
Taipei 101
Kein Taiwan-Trip ist komplett ohne einen Besuch des Taipei 101. Der an die Die Sun Yat-Sen Memorial Hall angrenzende Park ist toll und eröffnet erste Blicke auf Taipeis Wahrzeichen.
Mit 508 Metern war der Taipei 101 der höchste Wolkenkratzer der Welt, bevor er 2007 vom Burj Khalifa überholt wurde. Die Zahl 101 im Namen bezieht sich auf die Anzahl der Stockwerke.
Kennst du eines, kennst du alle. Das Ticket ist teuer und das Erlebnis ehrlich gesagt das selbe, wie bei allen high rise buildings der Welt. Man nimmt einen schnellen Aufzug zur Spitze, läuft ein- zweimal um die Aussichtsplattform und geniest die beeindruckende Sicht. Die ist in meinem Fall allerdings aufgrund von Nebel nicht vorhanden.
Wirklich beeindruckend finde ich den größten und schwersten Schwingungsdämpfer der Welt, der sich im Taipei 101 befindet: Das gigantische Pendel gleicht das Gebäude bei Erdbeben und Starkwind aus. Man kann ganz nah an die an acht Kabeln aufgehängte goldene Stahlkugel herantreten. Videos zeigen, wie sie in 2008 während eines Erdbebens ihren Dienst verrichtete.
Ich würde euch raten, den Food Court im unteren Teil des Gebäudes zu skippen, da das Essen dort teuer und die kleine Sitzfläche zu klein für die vielen Menschen ist. Ich habe Glück, dass mir ein freundlicher älterer Mann ein fixes Signal gibt, als neben ihm ein Platz frei wird, nachdem er mich mehrfach hoffnungslos mit meinem Tablett in der Hand hat kreisen sehen.
Auch die Din Tai Fung Filiale im Taipei 101 ist die mit den längsten Warteschlangen. Wenn ihr die ikonischen Dumplings verkosten möchtet, wählt eine andere Niederlassung in Taipei, wie zum Beispiel diese Filiale. Mehr dazu erfahrt ihr in meinem Artikel über die besten food spots in Taipei.
Da’an Forest Park
Dieser Park gilt zu recht als einer der schönsten in Taipei. Hier lässt es sich in aller Ruhe spazieren. Man kann fluffige schwarze Eichhörnchen, kleine Schildkröten und eine große Vielfalt an Vögeln beobachten.
Bei einem Abstecher in die nahe gelegene Yongkang Street könnt ihr euch mit voller Hingabe durchsnacken. Ich empfehle das schwarze Sesameis bei 8%ice 冰淇淋專賣店 und den köstlichen gefüllten Pfannkuchen bei Tian Jin Onion Pancake 天津蔥抓餅.

Treasure Hill Artist Village
Dieses Künstlerdorf wird seit 2010 von der Stadt Taipei betrieben. Ursprünglich ein informelles Siedlungsgebiet, das kurz vor dem Abriss stand, wurde es nach langwierigen Protesten der lokalen Gemeinschaft erhalten und zum Ort für Kreative umfunktioniert.
Die verwinkelten Gassen, Treppen und der Mix aus Natur und Kultur machen die Siedlung zu einem lohnenswerten Abstecher. Von etwa 80 Gebäuden auf dem Gelände werden rund die Hälfte von Kreativen genutzt. Man findet hier Tanzensembles, Künstlerstudios, Upcycling-Werkstätten und sogar eine Dunkelkammer zur Entwicklung von Fotografien. Die Atmosphäre ist super offen und es tummelt sich ein bunter Mix aus Gästen und Locals.
Es gibt auch einen schönen, 200–300 Jahre alten buddhistischen Tempel auf dem Gelände. Besonders Abends herrscht hier eine ruhige, besinnliche Stimmung und ihr könnt die Sonne mit Blick auf den Fluss und die Skyline von Taipei untergehen sehen. Achtung: Mückenschutz auflegen!
Ximending
Hier treffen taiwanische Mode, Jugend- und Subkultur in einem bunten Strudel aufeinander: Ximending aka Ximen ist eines der bekanntesten und beliebtesten Vergnügungs- und Einkaufsviertel in Taipei. Bereits die Japaner etablierten Ximen als Unterhaltungs- und Geschäftsbezirk außerhalb des alten Stadttors.
Die Walking Street einmal hoch und runter zu laufen ist okay. Ich muss aber leider sagen, dass dieser Stadtteil von taipei auf mich etwas trashig wirkt. Cool finde ich die American Street, in deren Verlängerung man tolle Graffitis und Street Art entdecken kann.
Im Eslite Shopping Center finde ich einen guten und preiswerten Udon-Laden und zum Nachtisch teste ich Taiwanischen Wheel Cake – ein typisches lokales Dessert. Ich kann nachvollziehen, warum es so beliebt ist – eine klare 10 von 10!
Minsheng Community
Ich nutze einen verregneten halben Tag, um die gediegende Gegend rund um die Fujin Street zu erkunden. Die Mischung aus Englisch- und Ballettschulen, Tierkliniken, internationalen Daycare-Einrichtungen, Designer-Boutiquen und Kunststudios geben dem Viertel eine gehobene Atmosphäre und einen kosmopolitischen Vibe. Das schlägt sich auch in den Preisen nieder: der zwar sehr gute specialty coffee bei All Day Roasting Company ist definitiv „upmarket“.
Etabliert wurde die Minsheng Community von den Amerikanern. Im Gegensatz zum Rest von Taipei gibt es in dieser residential area keine Hochhäuser, dafür low rise buildings und sehr viel Grün. Leider kann ich die adretten, baumgesäumten Alleen und Parks nicht so sehr genießen, da sich eine wahre Sintflut vom Himmel in die Straßen entleert. Mir bleibt nichts anderes übrig als unter meinem Regenschirm versteckt von Laden zu Laden zu hüpfen.
Dem Sunny Hills Taipei Minsheng Park Store statte ich einen eher ernüchterten Besuch ab. Statt der berühmten Pineapple Cakes werden Bananen-Waffeln zur freien Verkostung serviert. Außerdem gibt es keine Möglichkeit, einzelne Gebäckstücke zu kaufen. In der Auslage befinden sich nur teuere Geschenkverpackungen mit viel zu vielen Stück.
Ich glaube Sunny Hills ist overhyped und es lohnt sich mindestens genauso, Taiwans berühmte Pineapple Cakes in einem der vielen kleinen Läden ohne besonderen Namen zu kaufen. Für den Kauf meiner Mitbringsel wähle ich nach diesem enttäuschenden Erlebnis definitiv letztere.
Tempel Hüpfen
Zwei der berühmtesten Tempel Taipeis könnt ihr in einem Rutsch besuchen und in nur wenigen Minuten zu Fuß von der Metrostation Yuanshan aus erreichen.
Der beindruckende Dalongdong Baoan Temple wurde 1804 von Einwanderern aus Tong’an in der chinesischen Provinz Fujian erbaut. Der Name „Baoan“ bedeutet „Schutz und Sicherheit für die Menschen aus Tong’an“. Der Tempel ist Baosheng Dadi, dem Gott der Medizin, gewidmet. An den reichen Verzierungen, den bunten Schnitzereien, den Figuren und kunstvollen Dachreliefs sehe ich mich trotz Regen und Einbruch der Dunkelheit lange und ausgiebig satt.
Direkt gegenüber liegt Taipeis Konfuziustempel. In Kontrast zum Baoan Tempel ist die Architektur hier schlicht und zurückhaltend – ganz im Stil klassischer konfuzianischer Tempel, bei denen Harmonie, Klarheit und Einfachheit im Vordergrund stehen.
Am 28. September, dem Geburtstag des Philosophen finden hier traditionelle Musik- und Tanzvorführungen statt. Unterjährig können Besucher:innen sich an einzigartigen Steinstelen und Pavillons zum Studium der klassischen konfuzianischen Lehren erfreuen.
Taipei zeigt mir jeden Tag ein anderes Gesicht – mal pulsierend, mal meditativ, mal kreativ. Der wohl schönste Blick auf die Stadt erwartet mich auf verschlungenen Bergpfaden. Was all das mit einem Elefanten zu tun hat? Das verrate ich euch im nächsten Artikel.













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